Lay Down Rotten, Tothamon, Moshquito, Mimosis - MB,Leipzig

erstellt von Germanenhelga am 20.03.07

An diesem schönen, fast lauen Winterabend hat die Scheddel-Crew zum gemeinschaftlichen Hausmusik-Event geladen und dafür ein paar Bands aus der Region plus LAY DOWN ROTTEN aus Hessen angeheuert. Nach den letzten Veranstaltungen der HMNIS-Reihe, die doch eher etwas (DeathMetal)dürftig besetzt waren, glänzt man heute mit einem sehr schmackhaften Billing und lockt eine respektable Meute in die MB.

Den Reigen eröffnen die Jungs von MIMOSIS, die mittlerweile eigentlich jeder Metalliebhaber mit Wohnsitz in Leipzig kennen müsste. Leider muss der gesundheitlich angeschlagene Sänger Witte an diesem Abend passen aber mit Max (ehemals Nuke Eastern Plot) kann ein akzeptabler Ersatz präsentiert werden, auch wenn er stimmlich nicht an Wittes extrem coole Growls rankommt. Dafür legt er aber eine sehr bewegte Bühnenperformance hin; ein Aspekt, der sonst bei MIMOSIS ja eher vernachlässigt wird, steht man doch lieber etwas konzentriert drein guckend auf der Bühne. Geboten wird volle Breitseite DeathMetal, der auch einen kleinen Ausflug Richtung Melodie nicht scheut, was der gesamten Sache sehr gut zu Gesicht steht. Die anwesende Meute reagiert überraschend zutraulich und der sonst so obligatorische Sicherheitsabstand wird quasi beim zweiten Song über Bord geworfen. Schade ist, dass sich die Band immer noch an leicht gealtertes Material klammert aber man kann nicht erwarten, dass die seit 2004 bestehende Band eine unendliche Songauswahl hat. Wer sich von diesem sehr kleinen Manko nicht abschrecken lässt und MIMOSIS noch nicht so gut kennt, dem sei hier das Demo ‘Mimosification’ wärmstens empfohlen.

Startplatz Nummer zwei erhält MOSHQUITO, von denen ich zwar schon mal gehört aber die ich noch nie gesehen habe. Wenn ich ganz ehrlich bin, ist das auch nicht weiter schlimm, denn die seit 1987, in verschiedenen Besetzungen tätige Band, trifft meinen Geschmack eher nicht. Die Songs sind zwar hart und eingängig aber nach dem dritten Akt ein wenig zu eingängig und schon viel zu oft von anderen Bands ähnlich gehört. Mich zieht es daher unweigerlich Richtung Theke.

Anschließend heißt es: Ring frei für TOTHAMON aus Leipzig! Wie mir zu Ohren kommt, durchlebt die Band am heutigen Abend gleich zwei einschneidende Erlebnisse. Zum einen stellen sie ihre neue Scheibe “Subjektivitäten” vor, zum anderen gibt die Band bekannt, man wolle sich nach dem Gig auflösen, weshalb die Jungs vorsichtshalber ordentlich abgefeiert werden. Ein relativ fetter Sound quält sich da durch die Boxen; harter, kompromissloser DeathMetal mit einem gehörigen Schuss Melodie plus der schon fast lieb gewonnenen Gesichtsakrobatik von Sänger Gax. Die Meute tobt und entzündet verzückt ein paar Wunderkerzen. Nun gut, ganz so dramatisch hätte es nicht sein müssen aber der Abschied von TOTHAMON bedeutet schon einen herben Verlust für die Leipziger Szene. So entschlie?t sich das Publikum, die Band einfach nicht mehr von der Bühne runter zu lassen, fordert Nachschlag und bejubelt jeden Song frenetisch. Ein sehr guter und überzeugender Gig!

Nachdem sich TOTHAMON von der Bühne gekämpft haben, leert sich schlagartig der Saal und ich bekomme leichte Zweifel, ob LAY DOWN ROTTEN auch nur annähernd so viel Publikum vor die Bühne ziehen können; offensichtlich waren einige Leute hauptsächlich wegen den Leipzigern da. Nach einer recht langen Umbaupause und den ersten Probezupfern an den Saiten, strömt die Menge jedoch wieder Richtung Saal, bereit für die nächste Schlacht, trotz der mittlerweile ziemlich vorgerückten Stunde.

Wer sich den gewichtigen Fünfer aus dem Hessenländle entgehen lässt, ist selber Schuld! LAY DOWN ROTTEN kredenzen eine gelungene Mischung aus melodischen, groovigen, harten und raus gebatzten Elementen, die an diesem Abend fast jeden begeistert. Gepaart mit den äußerst amüsanten Zwischenkommentaren Daniels und den noch amüsanteren Posen vom Bandflo an der Klampfe, ergibt sich ein wunderbar rundes Gesamtbild, das man sich glatt an die Wand hängen könnte. Geboten werden die Kracher aller Alben, so zu sagen einmal quer durch das Schaffen der Jungs bis dato. Wer sich mal richtig die Ohrhärchen entstauben lassen will und auf Growls ebenso wie auf die restlichen Tonlagen steht, dem sei das Werk ‘Breeding Insanity’ empfohlen, wobei die Jungs, nach einem endlich ergatterten Deal bei Metalblade, schon eifrig am neuen Silberling mit dem klangvollen Arbeitstitel ‘Reconquering The Pit’ basteln sollen. Für mich war das die Topband des Abends.

Insgesamt gesehen war der Event recht angenehm organisiert, die Meute willig, das Bier kühl, die Bands spitze und der Eintritt hat sich auch endlich mal wieder gelohnt, was ja nicht unbedingt die Normalität beim HMNIS ist. Sehr schön.


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