Hellraiser Open Air 2007

erstellt von Germanenhelga am 08.06.07

Es ist strahlend schön, die Sonne lacht am Himmel, um nicht zu sagen, sie nervt uns tödlich aber dennoch schnippen wir ins Auto und gurken Richtung Wurzen, denn der Hellraiser-Verein hat zum Jubiläumsfestival in die Pampa geladen. Auch wenn es im Vorfeld einige unnötige Bandwursteleien gab, lockt das Billing ungemein und wem das eintönige Schwarz der Waver in Leipzig auf die Nerven geht, ist bei dieser geradezu bunt-illustren Veranstaltung genau richtig. Als wir eintreffen, ist es auf dem Campingplatz noch recht übersichtlich, was bis zum Abend auch so bleiben sollte, denn offensichtlich war es für alle anderen angenehmer erst in den kühleren Stunden anzureisen bzw. vor die Bühne zu schlendern. Wir verkriechen uns in den spärlichen Schatten der Bühne und harren der Dinge die da kommen mögen.

Es ist Freitagnachmittag 14.00 Uhr und die Sonne brutzelt uns schon mehr als ein Ofen einen Broiler, als BETRAYER die Bühne betreten. Die, uns nur zu gut bekannte, Leipziger Combo lässt sich von der noch recht kleinen Meute, schätzen wir sie mal gro?zügig auf um die 50 Mann, auf dem frisch geöffneten Festivalgelände nicht demotivieren und haut auch gleich in die Saiten. Mit ihrem trashigen Death Metal gelingt es ihnen auch in kürzester Zeit, die Herzen der anwesenden Metalheads im Sturm zu erobern und sie legen noch mal eine Schippe Härte aus ihrem Repertoire drauf. Und eben diese Schippe ist es wohl, die den Instrumenten an diesem hei?en Tag nicht in den Kram passt, woraufhin sie sich der Physik des Riffings ergeben. So reißt dann den armen Klampfenspielern gleich zweimal bei diesem Gig eine Saite? Frohen Mutes wurden dazu auch noch die Ersatzinstrumente daheim gelassen und somit ist die Katastrophe für die Band perfekt. Wie sich in einem späteren Gespräch mit Drummer “Homer” herausstellte, war dies dann wohl auch der ausschlaggebende Punkt der den Gig aus seiner Sicht “unglücklich” erscheinen lässt. Die Meute hingegen lässt sich von diesem “Zwischenfall” nicht unterkriegen und feierte die Band gut ab, was bestimmt nicht zuletzt an dem recht unterhaltsamen Mundharmonika-Solo des Frontmannes liegt (der im Übrigen sämtliche Kritikpunkte des letzten Reviews ausräumen konnte!).[b]

Als Nachfolger stürzt nun der “neuseeländische Exportschlager” DAWN OF AZAZEL auf die riesige Bühne und versucht der Menge seine Interpretation von Black Metal vorzutragen. Ich kann mich an dieser Art Musik jedoch überhaupt nicht erfreuen, da die Band in jeglicher Hinsicht musikalisch überfordert zu sein scheint. Der Drummer kann mit seinen vier Gliedmaßen nicht ansatzweise das umsetzen, was sein Hirn ihnen befiehlt. So klingen die Drumparts oft eher unkoordiniert und hörbar schief und streckenweise fast untalentiert. Der Gesang schließt sich dem auch gleich an, denn auch hier scheint der Sänger nicht ganz in Bestform zu sein, da man seine Parts auch zu oft am ehesten als stimmlich überlastet bezeichnen könnte. Dass einzig Positive bei diesem Auftritt sind wohl die doch technisch sehr gut umgesetzten und ausgereift wirkenden Riffs und die tragenden Bassparts. Im Gro?en und Ganzen muss das Konzert wohl als Fehltritt gewertet werden, da die Jungs gerade mit Grave und Krisiun auf Tour sind und von eben diesen, auf deren Konzerten doch schon auffällig oft ein “Tribute to Dawn Of Azazel” kam. Vielleicht sind die Mannen auch nur einem solchen Tourstress nicht gewachsen und lassen einfach konditionell etwas nach. Ich hoffe, das nächste Mal wird besser? [b]

Nun es ist gerade 16.00 Uhr, die Sonne brät den tapferen Metaller immer weiter und der Gro?teil der Festivalbesucher scheint noch gar nicht wirklich angekommen zu sein, als das schwedischen Death Metal Urgestein GRAVE das Podium betreten. Und tatsächlich: Nach allen Tuscheleien und Mutmaßungen, sie sind es wirklich! Der Otto-Normal-Metaller begreift erst jetzt richtig, dass GRAVE tatsächlich eine Spielzeit nachmittags 16.00 Uhr gekriegt haben! Jedenfalls die 4 Jungs scheint’s nicht zu stören und das Publikum spätestens nach Erklingen des ersten Mörderriffs auch nicht. Hier wird auch gar nicht lange gefackelt und direkt in die Vollen gegangen. Die Routiniers lassen auch erst gar keinen Zweifel an ihrer (im nächsten Jahr) zwanzigjährigen Reifezeit aufkommen und rotzen dem Publikum einen Gig entgegen, der an Souveränität und Coolness kaum zu überbieten ist. Man hat echt den Eindruck, die 4 Körper sind in der langen gemeinsamen Zeit mit den Instrumenten, eine Symbiose eingegangen, so nebensächlich erscheint deren Anwesenheit. Es würde wahrscheinlich genauso aussehen, wenn die Jungs `nen Auftritt auf der Geburtstagsparty ihrer Oma geben würden. Jedenfalls haben sie einen Mordspass, flachsen mit dem Publikum und präsentieren ihren nie langweilig werdenden oldschooligen Death Metal, der sich durch seine tragenden, eingängigen Riffs gepaart mit schnellen brutalen Parts auszeichnet, mit einer riesigen Begeisterung. Auch der letzte Silberling “As Rapture Comes” kommt natürlich nicht zu kurz und so fangen dann beim groovigen Titel “Burn” die ersten Haare an zu schwingen. Aber spätestens bei ihrem Klassiker “Into the Grave” kann auch der Letzte nicht mehr an sich halten und entfesselt seinen Schopf.
Die 4 Schweden lassen es sich auch nach der, verhältnismäßig frühen und kurzen Spielzeit nicht nehmen die Party weiterzufeiern und tauchen nach gar nicht langer Zeit auf dem Festivalgelände auf, wo sie natürlich von jedem zweiten erkannt und “belästigt” werden. Aber auch dass schockt die Mannen keineswegs und so sind sie nun bestimmt auf 50 Poserfotos mehr zu sehen! Aber gerade diese Publikumsnähe und das gemeinsame Moshen mit den Fans ist es wohl, was die 4 Schweden meiner Meinung nach mindestens mal unter die TOP 3 der besten Hellraiser OA - Gigs hebelt. [b]

Ein schwereres Los hatten da schon die Stuttgarter von LIFTHRASIL. Erstens gab es aus heiterem Himmel einen gehörigen Wolkenbruch und Zweitens schien das Bühneninteresse nach dem GRAVE-Gig plötzlich wieder enorm zu schwinden. So rettete sich der Gro?teil unter die diversen Bierstände und anderen trockenen Plätzchen. Wir konnten den Auftritt auch aus einiger Entfernung begutachten und waren dann doch nicht genug angetan, um unseren gemütlichen Fleck zu verlassen. Der deutsche Metal, der sich irgendwo zwischen Black und Death Metal ansiedeln will, kann letztendlich, nicht nur aus soundtechnischen Gründen, die Menge nicht überzeugen und so zocken die Jungs ihr Set vor einem recht schmalen Publikum runter. Seltsamer Weise fehlt dem Gig irgendwie die Würze und so schafft die Band es letztlich auch nicht, ihren Silberlingen, “Vor dem Sturm” & Co., live das Wasser zu reichen. Schade eigentlich! [b]

Was jetzt folgt, könnte einem nach 6 Stunden Anwesenheit auf dem Festivalgelände glatt die Laune verderben. Es geht nämlich schlagartig ein Ministurm los, der dafür sorgt, dass die Hellraiser-Crew das erste mal an diesem Nachmittag richtig zupacken muss - ein Großteil der aufgestellten Abgrenzungsbauzäune ergibt sich dem Wind und kippt um. Anfangs wirkte das auch nicht ganz so schlimm, hätte uns nicht plötzlich dieses ungute Gefühl in der Magengegend überwältigt! Bei unserem Zelt angekommen, erklärt sich dieses auch recht schnell: Eine der langen Zaunfronten liegt nämlich auf unserem Auto und Zelt. Zum Glück ist der Schaden auch nicht ganz so groß, außer einem ärgerlichen Kratzer und einer leidigen halben Stunde “Zeltwiederaufbau” nichts weiter passiert. So können wir dann auch den Gig der Black Metal Horde ASMODEUS nur als Hintergrundmusik wahrnehmen. Schade eigentlich, denn das was wir hören gefällt uns sehr! [b]

Glücklicherweise sieht die Welt bei KRISIUN schon wieder ganz anders aus. Das Wetter spielt wieder mit und die kleinen Unwetterschäden sind auch behoben. Also können wir uns jetzt in aller Ruhe der zweiten Death Metal Größe widmen. Und was hier geboten wird ist brutaler Death Metal der Extraklasse. Die drei Brasilianer lassen erst gar keine Zeit zum Luftholen und schmettern den Metalheads ihren brachialen Sound entgegen. Bei diesen harten Klängen ist es umso beachtlicher, dass “nur” drei Mann an dem Gig beteiligt sind. Was diese Jungs soundmäßig auf die Ohren geben, schafft manche sechsköpfige Band nicht annähernd. Und das liegt nicht zuletzt an dem perfekt abgemischten Sound. Die drückenden Bassläufe des Fronters und schnellen Killer-Riffs seines Kompagnons werden technisch einwandfrei umgesetzt und rauben uns, gepaart mit dem wahnsinnig schnellen Drumsound im Hintergrund, schlichtweg den Atem. So ist es auch nur eine Frage von Minuten, bis sich der Großteil der Metalheads der sehr mosh-anregenden Mucke hingibt und kräftig die Haare schüttelt. Kein Wunder also, dass auch die Mannen von Grave plötzlich vor der Bühne stehen und ihren Tourgefährten zujubeln. [b]

Nun folgt ein völlig unnötiges Trauerspiel: GRAVEWORM haben es irgendwie geschafft, auf dem Weg von Südtirol nach Sachsen an einem Freitagabend in den Stau zu geraten. Wie das nur geht??? Jedenfalls wird der Gig erstmal großzügig nach hinten verschoben. Natürlich wäre es das Naheliegendste gewesen, einfach den Gig von IMMOLATION vorzuziehen und so, quasi die Spielzeiten tauschend, den Fans mit einem möglichst reibungslosen Ablauf entgegenzukommen. Aber da hat man wohl Immolation nicht mit auf dem Plan, denn die weigern sich strikt, nach unserer Information, ihren Platz abzugeben und vorzeitig auf die Bühne zu gehen. Kein Wunder, dass das bei dem Ein oder Anderen auf Unverständnis stö?t, da das Problem ja eigentlich kein Großes ist. Nun, nach ca. 50-minütiger Verspätung, schaffen es die Südtiroler dann doch noch, die Bühne zu betreten und werden trotz aller Kindereien im Vorfeld herzlich empfangen. Die Jungs lassen sich jedenfalls nicht die Laune verderben und präsentieren ihren DarkMetal mit riesigem Spaß, welchen sie regelrecht auf das Publikum übertragen. Sie spielen ein buntes Potpourri ihrer diversen Alben, bei dem der neue Langspieler “Collateral Defect” natürlich nicht zu kurz kommt und verbreiten mit ihrer groovigen Mucke richtig gute Stimmung unter den Besuchern. So hat sich die lange und stressige Reise für die Halbitaliener dann doch noch gelohnt, denn sie werden von den Fans ordentlich abgefeiert und mit kreisenden Haaren und Beifall beschenkt. [b]

Nach diesem Eklat könnte man denken, dass das amerikanische Urgestein IMMOLATION etwas in Ungnade gefallen sei. Doch: Fehlanzeige. Die Band wird mit großzügiger Gnade und voller Euphorie empfangen. Die 1986 als Rigor Mortis in New York gegründete Band, betritt vollkommen abgeklärt die Bühne des Geschehens. Ihre sehr groovige, basslastige Musik geht uns auch gleich ins Ohr und motiviert doch recht schnell die Haare im Takt zu schwingen. Zum Thema “Haare” wäre noch zu bemerken, dass Frontmann Ross Dolan durchaus als Nebenjob den haarigen Typen aus der Adams Family spielen könnte - was `ne Matte! Jedenfalls rocken die Amis mit dem tragenden und sehr melodischen Sound richtig, sind aber auf Dauer, mangels Abwechslungsreichtum, irgendwie etwas zu schleppend und können eine euphorische, mitreißende Band wie Ensiferum nur schwerlich einleiten. Allerdings, für den Genießer zu Hause ist das neue Werk der amerikanischen Death-Metal-Maniacs “Shadows in the light” sehr zu empfehlen. [b]

Nach einer gemächlichen Umbaupause kommen dann auch endlich die Nordmänner (und natürlich auch die Nordfrau?) von ENSIFERUM auf die Bühne und wollen das Publikum mit ihrem Viking- Folk- Epic- Death- Metal-Mix in Wallungen versetzten. Dummerweise entscheidet sich das Wetter, die heitere Atmosphäre der Musik nicht zu unterstreichen und es fängt an ausgiebig und schon unangenehm stark zu regnen. Wir entscheiden uns daher, die neuen Klänge der ?Victory Songs? - Scheibe von unserem trockenen Plätzchen, wo noch immer unsere Schuhabdrücke und die leeren Bierbecher unseres LIFTHRASIL-Aufenthaltes zu finden sind, zu verfolgen. Aber nicht alle sind solche Weicheier wie wir, denn die Finnen haben ein treues Publikum, das sich nicht von dem “bisschen Wasser” abschrecken lässt und die Bühnenfront fleißig trocken hält. Auch trotz der diversen Soundpatzern schaffen es die zum Kampf Bemalten, die Menge mit ihren mitreißenden Titeln, wie “Little Dreamer”, “Into Battle” und natürlich dem Abschlussklassiker “Battle Song”, zu begeistern und so werden die Finnen dann auch ordentlich bejubelt und mit reichlich Beifall aus nassen Händen von der Bühne begleitet. [b]

Der Headliner des ersten Tages wird heute mit dem polnischen Export BEHEMOTH gestellt und soll dem ersten Tag ein würdiges Ende bereiten. Und, das schon mal vorweg, das ist den Nachbarn von VADER wirklich gut gelungen! Das Wetter hat sich auch entschieden wieder etwas publikumsfreundlicher zu sein und so kommen die wasserscheuen Scharen wieder aus ihren trockenen Verstecken hervorgekrochen, um vor der Bühne in Stellung zu gehen und die bemalten Polen würdig zu empfangen. Und die lassen sich auch nicht lumpen und schmettern den Fans ihre brachialen Klänge entgegen. Doch ein Unterschied zu den ?Vorbands? zwingr sich dem Betrachter auf: Hier wird soundtechnisch noch mal 3 Stufen nach oben geklettert, denn die Band hat den mit Abstand besten Sound des Tages. Der hier dargebotene Mix des Black Metals alter Tage und die Klänge des aktuellen Death Metals - Stils hauen einem echt die Ohren weg, denn das was da oben auf der Bühne abgeht ist echt genial. Die technisch perfektionierten, antreibenden Riffs werden von einem extrem aggressiven Doublebass unterlegt und bilden gemischt mit den melodischen und sehr eingängigen Parts eine nie langweilig werdende Zelebration des Metals dar. So verfliegt die Spielzeit auch regelrecht und wir werden mit zerzausten Haaren, Sonnenbrand und überdurchschnittlichem Blutalkohol in unsere Gemächer entlassen. BEHEMOTH konnten also ihre Position als Headliner nachdrücklich bekräftigen und haben sicher den Einen oder Anderen Fan dazu gewonnen. [b]

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