Hellraiser Open Air 2007

erstellt von Germanenhelga am 08.06.07

Der Tag beginnt recht freundlich, was heißen soll, dass man nicht von der Sonne aus dem Zelt getrieben wird und wir entschließen uns, dem heimischen Waldbad ein Besuch abzustatten, wo sich schon der halbe Zeltplatz nieder gelassen hat.

Pünktlich zum Auftritt von DISASTER KFW setzt Nieselregen ein und so ziehen wir uns ins Aufenthaltszelt zurück. Mit zwei Sängern bewehrt, knüppeln und schleichen sich die alten Haudegen in schöner Abwechslung durchs Repertoire, lösen getragene die treibenden Parts ab. Restlos überzeugen kann mich die Band zwar nicht aber sie stellt einen guten Auftakt für den Tag dar, denn dass es schlimmer kommen kann, erfährt man gleich im Anschluss. [g]

DAWN OF FATE, quasi die Hausband des In Flammen Festivals hat einen reichlich schlechten Tag erwischt. Nicht nur, dass das zähe Intro total überflüssig ist (Band starrt etwas verkrampft auf die Besucher und umgekehrt), nein, auch die lieblos auf die Arme aufgetragene rote Farbe aus dem Bastelladen ist irgendwie schon fast albern. Musikalisch bewegt man sich wohl in DeathMetal-Gefilden, wirkt dafür aber viel zu monoton und teilweise sind die Songs einfach zu lang, fast schon langatmig. Ein paar Hartgesottene lassen sich davon nicht einschüchtern, platzieren sich an der Absperrung vor der Bühne und erzeugen so wenigstens ein bisschen Stimmung. Der Auftritt war in meinen Augen nicht überzeugend aber es ist halt immer ungünstig, wenn man bei grellem Sonnenschein und leerem Auditorium düsteres Material darbieten soll. [g]

Etwas besser ergeht es da schon den Barden von HELRUNAR. Die Jungs aus Münster bieten einen musikalischen Mix aus Pagan- und FolkMetal, wobei die Elemente aus Ersterem eindeutig überwiegen, da sich die markanten Melodien deutlich durch die gesamte Songlänge ziehen und ihnen dadurch einen eher hymnenhaften Anstrich verpassen. Das einzigste Manko an der Sache sind die deutschen Texte, bei denen sich wieder einmal offenbart, dass es auf deutsch mit dem Reimen nicht so einfach ist. Teilweise gewinnt man den Eindruck, die Band stolpert über ihre Texte, will aber unbedingt beim Deutschen bleiben. Im Endeffekt hört vor der Bühne aber eh keiner so genau hin und so bleibt es ein gemütlicher, publikumsmässig übersichtlicher Auftritt. Für die heimische Heldenstimmung sei das letzte Album zu empfehlen, welches auf den Titel “Frostnacht” hört. [g]

Danach gibt es erneut eine Änderung im Line-Up und was nun die bessere Wahl gewesen wäre, bleibt in den unendlichen Weiten des Horizontes verborgen. Vor nicht allzu langer Zeit, hatte ich das Vergnügen, D.A.M.N. live in der Villa zu Leipzig zu sehen und fand die Band an diesem Abend gar nicht so schlecht. Was sich allerdings heute meinen Ohren bietet, ist eher grenzwertig: Die Songs wirken viel zu langatmig, der Sound kommt ziemlich gepresst und gequält aus den Boxen und die Sängerin scheint auch nicht ihren besten Tag zu haben. Wenigstens steht man nicht so angenagelt auf der Bühne wie die Vorgängerbands und hat ja noch den Frau-Bonus, der es möglich macht, dass sich ein paar mehr Hanseln vor der Bühne drängeln. Insgesamt gesehen bin ich doch einigerma?en enttäuscht und hoffe, dass es beim nächsten Mal wieder überzeugender wird. [g]

Jetzt betritt die wohl umstrittenste Band des gesamten Festivals die Bühne: ILLNATH. Die MelodicBlackMetaller aus Dänemark haben einen ganz eigenartigen Stil und leider auch das größte Pech, denn es stehen vielleicht 10 Leutchen vor der Bühne. Ob die allerdings wegen ILLNATH dort stehen oder weil sie den robusten Absperrzaun lieber nicht mehr los lassen wollen, ist unklar. Die Jungs bieten einen Mix aus Graveworm, Cradle of Filth und quasi allem anderen aus diesem Genre, wobei es dem Sänger gelingt, seine stimmlichen Qualitäten besonders zu unterstreichen. Eigentlich im Ganzen nichts Neues aber was ich ihnen zu Gute halten muss: Sie haben Spaß an ihrem Auftritt, was angesichts der erschütternden Publikumssituation nicht selbstverständlich ist und versuchen das Beste draus zu machen. [g]
Für mich ist diese Band ein absoluter Glücksgriff. Neben ihrem sehr unterhaltsamen Outfit-Mix können die Dänen eine echt gute Show bieten. Der Sänger quält sich eine derartig unmenschliche Stimme aus dem Leib, dass man sich wirklich fragen muss, woher dieser drahtige Mensch diese herholt. Nach der lobenswerten Aktion, ihre treuen Verehrer in den ersten 3 Reihen mit reichlich Merchandise-Material zu beschenken, haben die Dänen es wohl doch noch schaffen können, den ein oder anderen Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. [b]

Nun stiefeln die Jungs von OBSCENITY auf die Bühne und machen das, was sie immer machen: Sie liefern einen druckvollen, treibenden Gig ab. Man bewegt sich in DeathMetal-Gefilden, die nur zu deutlich den Stempel des amerikanischen Stils tragen aber keinesfalls als Abklatsch daher kommen. Die Mannen haben ihren eigenen Weg gefunden, suhlen sich in Hochgeschwindigkeitsparts und dümpeln dann wieder in ruhigeren Gewässern, um das ein oder andere melodische Solo zu präsentieren. Auf Dauer ist das zwar nicht so mein Ding aber die Jungs aus Oldenburg haben es drauf, was an dieser Stelle auch gesagt sein soll. Gegen Ende des Gigs türmen sich am Horizont meter-, wenn nicht gar kilometerhohe Unwetterwolken, die so rein gar nichts Gutes verheißen. Wir flüchten daher und übergeben nun unserem Gastautoren Daniel das Wort, der sich vom drohenden Unwetter nicht einschüchtern lassen wollte. [g]

Der Auftritt von VADER verschiebt sich wetterbedingt etwas nach hinten, aber dennoch kommen genug Fans um die Polen und ihr Hyperblast-Deathmetal zu huldigen, der ab und zu kongenial von fernen Blitzen und einem schönen Regenbogen umrahmt wird. Natürlich gibt man sich der Freude hin, den Kopfpropeller anzuschalten und die leeren Becher fliegen zu lassen. Kein Wunder! VADER schafft es doch tatsächlich Zugaberufe im Publikum zu animieren, die aber zeitbedingt ins Nirwana verhallen. [dt]

Da haben es ENDSTILLE ungemein einfacher noch mehr Publikum zu ziehen. Ihre rasend klirrenden Black Metal Epen werden ebenfalls vom fernen Naturstroboskoplicht untermalt und nicht nur die aufziehende Kälte lässt einen bibbern, angesichts dessen was der Frontmann abzieht. Seine Ambitioniertheit und Agilität auf der Bühne wird von den Fans beherzt aufgenommen und diese stimmen nach dem offiziellen Set zu Zugaberufen ein, die hier überhaupt zum ersten Mal erhört werden. Und das sogar zweimal! Inklusive Blutregen und fiesen Growls. Beeindruckend! [dt]

Hinter der Bühne schauten DIE APOKALYPTISCHEN REITER dem schwarzen Treiben amüsiert zu und auf der Bühne wird natürlich weitergelacht. Eingestiegen wird erstmal mit neuem Material (”Friede Sei Mit Dir”, “Wenn Ich Träume”, “Revolution”), welches von Songs der frühen Alben aufgelockert wird (u.a. “Reitermania”, “We will never die”, “Du Kleiner Wicht”). Zwei Fans machen einen Crowdsurfwettbewerb, den beide natürlich gewinnen. Eine Seemannsbraut wird von Pest nicht beglückt und Fuchs speit Feuer. Ziemlich bunte Abwechslung zum Deathmetal-lastigen Programm heute. [dt]

Inzwischen ist wieder ein frisches Bier angeschmeckt, denn spät in der Nacht legt UNLEASHED mit einem Best-Of-Programm los, welches in sich hat. “Never Ending Hate”, “The Longships Are Coming”, “Death Metal Victory” und “Triumph Of Genocide” ist nur eine kleine erlesene Auswahl dessen, was Johnny & Co. noch so brachten (”The Immortals”, “Into Glory Ride”). Der dicke Sandmann schickte mit einer Zugabe und ordentlichen Bierdusche alle noch zahlreich Anwesenden in die Zelte und alle waren gesegnet, froh und glücklich. [dt]

Abschließend bleibt zu sagen, dass ich von der Organisation des Festivals doch recht überrascht war, egal, ob es da ein paar kleine Ungereimtheiten gab oder nicht, und das Jubiläumsfestival sehr schön und gelungen fand. Die Bandauswahl konnte man besonders am Samstag als geglückt bezeichnen, an den anderen beiden Tagen gab es streckenweise ein paar Durchhänger, die aber nicht allzu schwer ins Gewicht fielen. Ich würde mir im nächsten Jahr eine Neuauflage des Festivals wünschen und hoffe, dass das vielleicht realisierbar ist. [g]

Dem schließe ich mich an, was mir jedoch nicht gefallen hat ist, dass auch auf diesem Festival wieder einschlägige NSBM-Shirts und Merchandise zu sehen war (es ist im Übrigen nicht nur ein Problem für das Hellraiser Open Air sondern auch für jedes andere Festival). Trotzdem sich der Veranstalter im Vorfeld des Festivals dafür einsetzte diese Unterwanderung einzudämmen bot sich auch diesmal eine Lücke im System. Denn leider waren Teile(!) der Security auf diesem Auge blind. So hat sie zwar die Liste der verbotenen Zeichen und T-Shirts vor sich, fühlt sich aber dafür nicht verantwortlich (O-Ton: “Mir ist das eigentlich scheiß egal, wer hier mit was für welchen Symbolen rein geht”.). Ansonsten klappte die Umsetzung des Konzeptes jedoch recht gut.
Aber wie ihr seht ist hier immer noch sehr viel zu tun. Und deswegen seid auch ihr aufgerufen, euren Teil dazu beizutragen! [b]

Wir danken unseren Freunden Daniel, Roberto, Thomas und Greta für die freundliche Unterstützung und das Bereitstellen von uns noch fehlenden Bildern.

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