5. Chronical Moshers Open Air - Hauptmannsgrün, Vogtland

erstellt von Berzerker am 26.06.07

Es gibt nichts Schöneres als am Freitag bei gefühlten 45°C ins Auto zu steigen, einen Hitzeschock zu erleiden und sich dann auch noch auf die Autobahn zu begeben. Naja, wir sind mal so todesmutig, schließlich haben die Mannen vom Chronical-Moshers zur diesjährigen Ausgabe ihres Vereinsfestivals geladen und da wir letztes Jahr angenehm überrascht waren, dümpeln wir also in Richtung Hauptmannsgrün/Vogtland.

Angekommen in der Idylle, heißt es, schnell die mobile Unterkunft zu installieren, schließlich geht das Programm in jeder Minute los. Diesmal hat sich die Crew eine Art Band-Contest ausgedacht, bei dem jeder Besucher über die gesehenen Bands abstimmen kann und so am Ende des Abends ein Sieger gekürt wird, dem, neben einem kleinen Pokal, ein Wochenende im Studio winkt.
Nachdem unser Heim am Hang klebt, machen wir uns auf in Richtung Bühne, die auch dieses Jahr wieder in einem Zelt aufgebaut wurde.

Als erstes stürmt eine recht junge Band aus dem Vogtland die Bretter, die sich mit dem Namen INFERNAL TORTURE schmückt. Trotz des Alters der Mitglieder, welches sich so zwischen 17 und 20 bewegt, zaubern die Jungs bei grellem Sonnenschein ein schönes Set auf die Bühne. Musikalisch bewegt man sich in BlackMetal-Gefilden. Die Musik kommt abwechslungsreich und unterhaltsam daher, wird nie langweilig und es macht wirklich Spaß, den Jungs bei der “Arbeit” zu zusehen. Der Sänger überzeugt durch ein doch schon recht ausgereiftes Stimmvolumen, der Schlagzeuger seinerseits verkloppt die Drums, dass es uns warm ums Herz wird. Der Gig überzeugt uns sehr und es ist schön, dass ein Opener von so vielen Leuten wahrgenommen wird, denn die Hütte war angenehm gefüllt. Wer sich von der Band auf dem heimischen Sofa zum Matte-kreisen animieren lassen möchte, dem sei das bald erscheinende Album “Into Black Nights” empfohlen. [g]
Der Opener und für mich zugleich eine der besten Bands des Festivals, sind diese Jungens aus dem Voigtland. Kein Wunder also, dass sie auch gleich, mit nur 3 fehlenden Stimmen zum Sieg, einen respektablen zweiten Platz bei der Publikumsplatzierung holten. Ihr genial deftiger Death-Black-Metal-Mix lässt auf eine steile Karriere der Jungs tippen und hoffen. Wir waren von dieser Leistung jedenfalls dermaßen beeindruckt, das wir uns kurzerhand dazu entschlossen, die Jungs als “Gast des Monats” demnächst mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Also schaut bald mal wieder vorbei, denn diese Jungs werden auch euch überzeugen! [b]

Startplatz 2 haben die Marienberger BLOODSTAINED COFFIN erhalten und kommen mit einem etwas anderem Stil daher: Die Musik ist von Melodien geprägt und schweift das ein oder andere Mal in groovige Passagen hinein, was die Anwesenden zum Mitwippen verleitet, um dann wieder in absolut moshbare, harte Parts umzuschlagen. Leider ist die Bühnenperformance etwas steif und, meiner Meinung nach, das Schlagzeug ein Tick zu blechern, aber insgesamt gesehen können die DeathMetaller mit einem runden Gig durchaus überzeugen. Für die Stunden vor dem Kamin: Das Album “dead and hatefull”. [g]

Nach kurzer Umbaupause folgt die Thüringer Band WITTICISM, die mit voller Breitseite DeathMetal daher schlittert. Druckvoll, ja fast treibend quält sich der fast episch anmutende Sound aus den Boxen, eingängig aber dennoch nicht langweilig, da sich schnelle mit langsameren Parts und Growlpassagen mit herrlichen Schreipassagen abwechseln, die mit einem Gastsänger namens Erik verwirklicht werden. Insgesamt hinterlassen die Jungs einen guten Eindruck und wer mag, kann ruhig ein Ohr bei der EP “Fragments of our Dignity” riskieren. [g]

Nun betritt die, glaube ich, philosophischste Band des Abends die Bretter: PHILOSOPHER. Nein, ich schreibe das jetzt nicht nur, weil ich ein dummes Wortspiel anbringen will sondern weil die Jungs literarisch durchaus interessiert zu sein scheinen. Die Werke des Schriftstellers H. P. Lovecraft zählen wohl zu den Lieblingstexten der Band und wer jetzt getragenes Gedudel erwartet, wird leicht enttäuscht. Es wird DeathMetal mit einem starken Hang zu GrindCore dargeboten, stimmlich sucht man die Nähe zu Bands wie Sanatorium, denn der kleine Sänger, der im Übrigen wohl etwas fotoscheu zu sein scheint, grunzt wie ein Schwein, das gerade abgestochen wird. Mir gefällt das sehr gut, auch wenn mich die Band als Gesamterscheinung nicht so hundertprozentig überzeugen kann. Wer sich ein eigenes Bild darüber machen will, höre ins Album “Laws Ov Form” rein. [g]

JORMUNDGARD! Das hört sich doch sehr mythisch an und vor meinem geistigen Auge tauchen gestählte Wikinger in Kettenhemden und endlos langen Haaren auf, die epischen, getragenen PaganMetal zum Besten geben. Naja, so oder so ähnlich sollte es dann doch nicht kommen, denn auf der Bühne steht ein gemischtes Trüppchen junger Buben, so vielfältig wie das Leben selbst. Geboten wird klassischer DeathMetal mit starken MetalCore Einflüssen, die mich in tiefen Zwiespalt stürzen, denn eigentlich mag ich diesen modernen Stil des DeathMetals so rein gar nicht. Ich kann aber auch nicht sagen, dass die Band schlecht war, ganz im Gegenteil: Es groovt so vor sich hin, die Mucke kommt recht treibend daher und die Anwesenden scheinen Gefallen daran zu finden. [g]
Die selbst erkorene “Sunshine-Band” schafft es, auch mich in kürzester Zeit zu beeindrucken, auch wenn meine Vorstellung der Jungens anfangs etwas mystischer war. Jedenfalls rocken sie die Bühne mit ihrer, doch sehr modernen, Interpretation des Death Metals (Inspirationen durch Bands wie Heaven Shall Burn oder Hatesphere lassen sich wohl kaum leugnen!) und ihrer sympatischen Bühnenpräsenz und holen sich daher völlig berechtigt einen der 3 Pokale ab. An dieser Stelle seien die Jungs übrigens herzlich gegrüßt! Ihr seid auch jenseits der Bühne sehr unterhaltsam (vor allem aber David und sein schizophrenes zweites ICH Helmut K.). Ich hoffe man trifft sich bald mal wieder auf ein Bier (oder eine “Ahoi Brause Eiszeit Rakete”?). [b]

Der Headliner des Abends ist uns noch im Gedächtnis vom Hellraiser Open Air und da ist die Band ja teilweise Opfer meiner Kritik geworden. Die Rede ist von DISASTER KFW und ich muss meine Meinung revidieren: Die Jungs zaubern ein überzeugendes Set auf die Bühne, das nie auch nur einen Hauch von Langeweile an sich hat. Der Schlagzeuger kreischt sich die Seele aus dem Leib, dass man Angst hat, der kleine, dünne Mann könnte abklappen. Wie er das hinbekommt so akkurat zu spielen und nebenbei auch noch zu singen, ist mir vollkommen schleierhaft, eine reife Leistung allemal! Unterstützt wird er vom Barden in der ersten Reihe, der schöne Growls beisteuert, sodass sich ein rundes Gesamtbild ergibt, dass vor allem auch die Meute begeistert. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum mir die Band auf dem HOA nicht gefallen hat aber ich denke, eine Spielzeit am Mittag, das ganze Tageslicht und die Hitze haben ihr Übriges dazu getan. Also, diesmal Daumen hoch für die Thüringer, schöner Gig! [g]

Zu guter Letzt werden am späten Abend vor versammelter Mannschaft die Sieger des Abends gekürt; die Wahl des Publikums fällt auf BLOODSTAINED COFFIN, die einige Zeit benötigen, um die Bühne zu erreichen (ja ja, es war doch schon recht spät). Den 2. Platz ergattern die jungen Buben von INFERNAL TORTURE und auf dem 3. Platz finden sich die Krefelder Jungs von JORMUNDGARD wieder. Insgesamt gesehen ein sehr gelungener Abend und eine schöne Idee der Crew, die Zuschauer mit einzubinden.

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