No Empathy, Belphegor, Finntroll, Nile, Six Feet Under - Hellraiser, Leipzig

erstellt von Germanenhelga am 31.12.07

Nach einer recht kurzen Nacht und der anschlie?enden Regenerationsphase stehen wir gutgelaunt vor dem Hellraiser und harren der Dinge. Heute steht quasi die 2. Runde auf dem Plan; das “Metalfest” mit einer illustren Bandauswahl, die ungeahnte Massen mobilisiert. Schon beim Eintreten stellen wir fest: Das wird ein ganz harter Abend, nicht wegen der Bands sondern wegen dem Publikum. Kurz vor Beginn platzt der Saal bereits aus allen Nähten und man kann fast sagen, dass DAS keinen Spaß mehr macht. Die Leute sind aggressiv geladen, die Luft ist jetzt schon mehr als schlecht und zu allem Überfluss macht es einigen geistigen Flachzangen Spaß, im Schutze der Menge Frauen ganz ungeniert zu befummeln und zu belästigen.
Wir wabern also durch die Anwesenden und versuchen, uns ein geeignetes Plätzchen mit guter Sicht zu sichern.

Als Anheizer für den heutigen Abend wurde Hilfe bei den Lokalmatadoren NO EMPATHY gesucht, welche durch ein Online - Voting zum heutigen Support gewählt wurden. Dass die verhältnismäßig kleine Band dann auch kaum ernst genommen wird, ist schon etwas Schade. So werden die Drei mit ihren Instrumenten auf die Bühne gekickt und sich irgendwie sich selbst überlassen. Es fällt zum Beispiel gravierend auf, dass das gesamte Beckenarsenal des Drummers nicht abgenommen und so beim Publikum ausschließlich optisch wahrgenommen wird. Der übrige Gitarrensound hätte derweil wohl auch etwas mehr Aufmerksamkeit der Techniker verdient, die offensichtlich zu sehr damit beschäftigt waren, sich auf die Hauptacts zu konzentrieren. Die 3 Sachsen versuchen, dann trotzdem das Beste daraus zu machen und klimpern fröhlich auf ihren schlecht inszenierten Instrumenten. Geboten wird ein recht einfaches BlackMetal - Konstrukt, dem das Fehlen des zweiten Gitarristen deutlich zusetzt. Auch das Publikum verfolgt den Gig mit eher mä?igem Interesse und so macht sich doch allgemeine Erleichterung breit, als die 3 die Bühne für BELPHEGOR räumen. [b]
Ja. Entweder man betrachtet NO EMPATHY als Anheizer des Abends oder als verheizte Band des Abends. Wenn der Veranstalter sie als “Special Guest” ankündigt, könnten die Techniker es wenigstens versuchen, einen anständigen Sound hinzulegen. Schade um die Band! [g]

BELPHEGOR als zweite Band des Abends? Ich kann es dann auch erst glauben, als Fronter Helmuth die Bühne zum Soundcheck betritt. Zuvor konnte man die Band noch beobachten, wie sie in guter alter Undergroundmanier ihr Bandmerchandise selbst an den Metaller bringt. Als die Österreicher endlich die Bühne stürmen, ist die Hütte mittlerweile dermaßen voll, dass man schon jetzt kaum noch die Möglichkeit hat, sich zu bewegen ohne dabei die 12 um einen Herumstehenden um Erlaubnis zu fragen. Den Auftakt macht der Klassiker “The Goatchrist”, der dem Publikum mit brachialer Härte entgegen geschmissen wird. Zeit zum Luft holen bleibt bei diesem Gig nicht, denn es folgt eine Aneinanderreihung blasphemischer Prunkstücke, die dem Fan das Wasser in die Augen treibt. Mit Stücken wie “The Goatreich - Fleshcult”, “Swarm of Rats”, “Belphegor - Hells Ambassador” und “Seyn Todt in Schwarz” schaffen es die Mannen letzten Endes, auch den äußersten Kreis der Publikumshölle zu erreichen und so kann die doch recht frühe Spielzeit durch den frenetischen Jubel und die unglaublich zuträgliche Stimmung wieder wett gemacht werden. Mit “Luzifer Inzestus” folgt dann das letzte Kapitel des diabolischen Gastspieles, in dem noch einmal gezeigt wird, was teuflisch schnell ist. Alles in Allem für mich der optimale Gig bei suboptimalen Publikumsverhältnissen. [b]

FINNTROLL?! Och nöö! Da trink ich doch lieber ein kühles Bierchen… [g]
Tja, wenn man ja eine andere Wahl hätte? Aber einmal raus, um ein Bierchen wegzubringen und schon kann man den Rest des Auftritts vor der Tür verbringen. Es ist quasi unmöglich, den Saal wieder zu betreten, denn die menschliche Mauer ist unerbittlich. Und so gelingt es uns dann erst wieder in der Pause, schnell durch den Saal zu huschen. Schade! Aber laut Berichten von Glücklichen im Saal soll es wohl ein guter Auftritt gewesen sein, auch wenn die Mannen wohl etwas Schwierigkeiten hatten ihren Blick vom Fußboden zu lösen. [b]

Nach dieser kleinen Erfrischungspause versuche ich, irgendwie die andere Seite des Saales zu erreichen, was gar nicht so leicht ist, auch wenn alle Anwesenden die Bars stürmen. Angekommen, kann ich mir in Ruhe NILE genehmigen. Anfangs nicht schlecht, der Sound hat sich inzwischen merklich gesteigert und man versteht sein eigenes Wort nicht mehr, langweilt mich die Band schon nach kurzer Zeit mit ihrem technischen Perfektionismus und ihren Poser - Frickeleien an der Gitarre, so dass mir der Gig schier endlos erscheint. Schade, ein paar Ecken und Kanten würden den Jungs ganz gut zu Gesicht stehen. [g]
Mit NILE verhält es sich ähnlich wie mit einem guten Wein: Entweder man liebt und genießt ihn, oder aber man trinkt gar keinen Alkohol. Im Falle von NILE gehöre ich wohl eher zu den enthaltsamen Zeitgenossen, denn die technische Brillanz und Perfektion dieser Band trägt für mich nur dazu bei, dass der Reiz innerhalb der ersten 3 Songs verfliegt. Aber wie auch immer, lasst euch den Wein gut schmecken… Ich hol mir erstmal ein Bier! [b]

Zu recht fortgeschrittener Stunde entern dann die Jungs von SIX FEET UNDER die Bretter, das Publikum steht kurz vor dem Ausrasten und möchte wohl am liebsten den Boden küssen, auf dem die lebende Ausnahmeerscheinung namens Chris Barnes die Bühne betritt. Warum das so ist, kann man eigentlich gar nicht erklären, schließlich sieht der Gute wie ein natur gewachsenes Biotop aus und trägt auf seinem Kopf wohl circa 20 unentdeckte Arten an Kleinstlebewesen mit sich herum. Aber egal, wer so professionell ist, wird nicht nach Äußerlichkeiten bewertet und bevor ich diesen Gedanken zu Ende gesponnen habe, fliegt mir auch schon der erste Knaller um die Ohren. Es folgt eine ausschweifende Aneinanderreihung sämtlicher Hits des alten Albums “Haunted” wie “Enemy Inside”, “Human Target”, “Beneath The Black Sky”, die die Massen total ausrasten lässt. Für mich immer noch eine der besten Bands auf diesem Planeten und wer sagt, dass die Band irgendwann langweilig wird, hat entweder keine Ohren oder ist HipHoper. Für mich DER Hammergig schlechthin!!! [g]
In der Tat, ein sensationeller Gig! Nicht zuletzt, weil sich die Guten doch eher in älteren Gefilden aufhalten und so Songs wie “Revenge of the Zombies”, “No Warning Shot” und “Victim of the Paranoid” wohl schon zu den “neueren” Tracks gehören. Eine Anhäufung von Klassikern, die den Zuschauer in einen ekstatischen Zustand versetzt und schier unendlich scheint. Die mit Diamanten verzierte Krone des Abends!!! Einfach genial… [b]


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