Mayhem, Malsain, Nuctemeron - Club Centrum, Erfurt

erstellt von Berzerker am 17.03.08

Ein Black-Metal-Inferno der besonderen Art überrollt gerade Europa und macht auch in ?laut Homepage der Vorband? Erfürth halt. Mayhem gaben sich auf der Deconsecrate Europe Tour im Club Centrum die Ehre.

Zunächst aber herrschte erst einmal Unklarheit, wer denn nun überhaupt alles spielen würde. Mayhem war klar. Aber auf der Karte stand noch Pantheon I; auf der Mayhem-Page Malsain; beim Club Malsain und Nuctemeron und am Merch-Stand lagen CDs von Tormentor? Eine schwierige Sache mit Überraschungsfaktor. Die erste Überraschung gab es aber schon beim Betreten des Clubs: 15 Minuten vor Beginn tummeln sich gerade mal sechs Gäste im Raum. Irgendwie ein wenig armselig.

So wartet man eine halbe Stunde länger und siehe da, der Club füllt sich etwas. So sehen etwa 120 Leute den Auftritt von NUCTEMERON. Allerdings können die drei Jungs nicht wirklich überzeugen. Zu starr ist ihr Auftritt, zu bekannt klingen ihre Songstrukturen, die entfernt an Necrophobic erinnern können. Gitarrist und Bassist haben beide den Bewegungsradius eines Bierdeckels und auch die Haare hängen schön artig herab, sie fliegen kein einziges Mal. Die Starre auf der Bühne überträgt sich auch aufs Publikum, das die Band auch nur sporadisch mit Applaus beschenkt. Der Auftritt ist auch nach 20 Minuten schon wieder vorbei und hat vermutlich keine bleibenden Erinnerungen hinterlassen. Das Spannendste daran waren noch die Nebelschwaden auf der linken Seite der Bühne, die immer abwechselnd beleuchtet wurden und faszinierende Formen hatten. Man könnte sagen, die Band habe sich stets bemüht, ohne aber überzeugen zu können.

Nach dem Umbau stehen MALSAIN aus Bergen auf der Bühne und wissen durchaus zu überzeugen. Der überraschende Punkt hier ist Frontfrau Skumring, die mit ihren Growls den ein oder anderen ihrer männlichen Kollegen in Grund und Boden schmettern kann. Mit ihren beiden Alben ?They Never Die? und dem aktuellen Werk ?The Disease? hat die Band zwei starke Platten im Gepäck, die das Gerüst für den gut 40-minütigen Gig sind. Höhepunkte sind dabei die Songs ?Cold Strofobia?, ?Intruder? und ?An Old Asylum?, die gut bangbaren Extremmetal mit teilweise sehr schön sphärischen Keyboardeinlagen bieten. Die Musik ist gut, die Band bewegt sich, die Ansagen sind sympathisch, aber aus irgendeinem Grund will der Funke nicht so recht überspringen. Das Erfurter Publikum ist an diesem Abend generell sehr zurückhaltend, spendet zwar höfflich Applaus, doch das war?s auch schon fast. Die Band bedankt sich dennoch artig beim Publikum und räumt die Bühne für MAYHEM.

Deren Auftritt verzögert sich jedoch. Aus technischen Problemen dauert der Umbau eine ganze Stunde, was ziemlich nervig ist. Dabei bemerkt man auch die Nachteile eines kleinen Clubs: Der Multimedia-Backdrop kann aus Platzgründen nicht hinter dem Schlagzeug platziert werden, sondern hängt an der linken Bühnenseite um 90 Grad gedreht. Auf der Leinwand werden während des Konzerts nicht nur das Bandlogo zu sehen sein, sondern auch Albencover und ein paar mittelalterliche Kupferstiche, was an sich recht überflüssig ist. Um 23 Uhr ist es endlich soweit: Blasphemer, Necrobutcher und Hellhammer betreten vom Intro begleitet die Bühne. Ihnen folgt der Mann des Abends: Sänger Attila. Gekleidet in eine schwarze Robe, trägt der Ungar zwei, über einen halben Meter lange, Hörner auf dem Kopf, ein Dornenkranz umschlingt seine Augen. Stimmlich ist dieser Mann von einer anderen Welt. Schon beim ersten Song ?Deathcrush? reizt er sein Repertoire scheinbar aus, gibt im Laufe des Gigs aber noch Laute und Geräusche von sich, die wahrlich diabolisch klingen. Seine Bühnenshow dreht sich grö?ten Teils um ein etwa ein Meter gro?es Kreuz, an dem eine bereits ziemlich geschundene Christusfigur hängt. Der arme Kerl ist bereits am rechten Arm und der Hüfte komplett durchtrennt. Das hält den Gehörnten aber nicht davon ab, ihn nochmals zu strangulieren, anzuschreien, zu schlagen und am Ende niederzutreten. So verkommt neben dieser Performance der Rest der Band praktisch zu Statisten, die Augen bleiben auf Attila gerichtet. So staunt und schaut das Publikum bei den ersten Songs auch eher ehrfürchtig auf die Bühne, Bewegung kommt erst später unters Volk. Doch auch hier gilt wie für den ganzen Abend: Zu wenig. Mayhem spielen ihren Stiefel runter, zocken sich einmal quer durch die Bandgeschichte, von ?Deathcrush? über ?Chimeira? bis zu ?Grand Declaration Of War? reicht die Albenauswahl, ohne gro?e Überraschungen bei der Liedauswahl zu liefern. Die dargebotenen Stücke liefern die vier Jungs souverän ab, werden aber ? und da wiederhole ich mich gerne ? vom überragenden Attila dominiert und geprägt. Persönliches Highlight: ?My Death?. Wahnsinn! Nach einer knappen Stunde verabschieden sich Attila und seine Mannen und entlassen ihr Publikum aus dieser blasphemischen Abendunterhaltung.

Vielen Dank an unseren Gastautor Fabian Böttner!!!


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