Vulture Industries, Helheim, Dark Fortress, Desaster - Hellraiser, Leipzig

erstellt von Germanenhelga am 26.03.08

Leichte Feiertagsdepressionen? Keine Ahnung wie man an Ostern den Fängen der Familie und Oma’s endlosen Ausführungen über ihren Gesundheitszustand entkommen kann? Diesmal gab’s die perfekte Lösung in Form eines Konzertes im Hellraiser und nicht nur wir dürften uns über diesen glücklichen Umstand gefreut haben.

VULTURE INDUSTRIES machen an diesem Abend den Anfang und schwingen sich im feinen Zwirn auf die Bühne. Die 2002 in Bergen gegründete Band tendiert zu allen möglichen Stilrichtungen im Genre Metal, was nicht immer von Vorteil ist. Mal experimentell, mal metallisch, mal irgendwas. Die Vocals sind teilweise zu weinerlich, schwanken dann Richtung Gekeife, teilweise sind sie einfach nur schlecht und kratzen ganz mächtig am Gehörgang. Überzeugend finde ich dagegen die Drums und die sauber eingestreuten Tempiwechsel, die der ganzen Sache mehr Schwung verleihen und das Publikum immer mal wieder aus seiner Starre herausreißen. Insgesamt gesehen ist das nicht so das Gelbe vom Ei aber wer sich dennoch einen Eindruck verschaffen möchte, dem sei das Album “The Dystopia Journals” empfohlen. [g]

Nach einer angenehm kurzen Umbaupause stürmen die Mannen von HELHEIM die Bretter und sofort geht ein Ruck durchs Publikum. In Kettenhemden gewandet liefern die Jungs ein absolut überzeugendes BlackMetal-Feuerwerk ab, bei dem nicht nur der Sound nahezu perfekt ist sondern auch die Musik in sich stimmig und äußerst ausgereift daherkommt. Dabei verzichtet man auf jegliche Klischees, die BlackMetal sonst so mit sich bringt, und setzt stattdessen auf Publikumsnähe und Abwechslung. Die anwesende Meute dankt?s mit wallenden Mähnen und endlich kommt auch angemessene Stimmung auf. Ein absolut überzeugender Auftritt, der leider viel zu kurz ist, und für uns fast die beste Band des heutigen Abends. Für die heimische Couch: “Kaoskult”. [g]

Anschließend entern DARK FORTRESS die Bühne und nach den ganzen Lobpreisungen auf diese Band bin ich doch etwas enttäuscht. Eigentlich hatte ich ein BlackMetal-Gewitter erwartet aber es kommt ein wenig anders. Schon beim Anblick des Sängers muss ich unweigerlich an eine GothMetalband denken auch wenn sich dieser erste Eindruck, Gott sei Dank, nicht bestätigt. Auf ihrer Homepage kommen die Jungs wie die bösen Buben aus der Hölle daher, auf der Bühnen wirken sie eher harmlos, was wohl auch am kleinen Bewegungsradius aller Beteiligten liegen mag. Musikalisch wird eine Mischung aus BlackMetal und fast doomig anmutenden Passagen geboten, welche technisch recht ausgreift daherkommt und mit marschmäßigen Drums untermauert wird. Die vielzitierte düstere Stimmung mag bei mir nicht so recht aufkommen, dafür ist mir das Ganze zu lasch und zu drucklos gehalten. Insgesamt kann man den Jungs aber nichts vorwerfen, denn das, was sie machen, machen sie gut, es passt nur nicht ganz zu den Erwartungen, die ich nach dem Lesen der Reviews vom Album “Eidalon” hatte. [g]

Endlich betritt dann DESASTER die Bühne und entfacht nun das erwartete (Fege-) Feuer. Kaum eine Band konnte mich in letzter Zeit live so überzeugen, wie es die 4 Black-Trash-Mannen tun. Mit absoluter Gewalt pressen sie ihren Sound aus den Boxen und zwingen mit ihm gnadenlos auch den Letzten, die Haare fliegen zu lassen. Gefühlte 3 Stunden blasen die Koblenzer ein schwarzes Potpourri der letzten 2 Dekaden dem Publikum entgegen. Definitiv keine der vorherigen Bands (eventuell mit Ausnahme HELHEIM’s) schafft es, derartig gute Stimmung zu entfachen. Die Menge tobt, die Haare fliegen und nach diversen Zugaben und der Versammlung einer bunten Masse, die aus allen Bands des Abends und etlicher angeheiterter Zuschauer besteht, auf der Bühne, neigt sich der Abend dann gegen 01.30 dem Ende. [b]

Alles in Allem wieder ein sehr gelungener, ausgeglichener Abend (mit schrägem Blick auf VULTURE INDUSTRIES, die meines Erachtens nicht so recht ins Gesamtbild passen wollten), der einem Lust auf mehr macht.


Comments are closed.