Negura Bunget, Darkened Nocturn Slaughtercult, Haradwaith, Altum Atramentum - Hellraiser, Leipzig

erstellt von Germanenhelga am 16.04.09

Es ist mal wieder Ostern und für alle von-der-buckligen-Verwandtschaft-gestressten Metaller hat sich die Crew vom Hellraiser ein extra schwarzes Bonbon ausgedacht, dass gänzlich unchristlich ist. Die Hütte ist Schlag Neun dann schon so voll, dass man froh sein kann, sich nicht, wie angekündigt, in den kleinen Saal froppen zu müssen. Da sind die Geschenke bei dem einem oder anderem Metaller wohl nicht so erwartungsgemäß ausgefallen oder Oma hat mal wieder mit der “Wann-kommen-die-UrEnkel?” - Nummer genervt….

Als erstes entern die Mannen plus Dame von ALTUM ATRAMENTUM aus Sachsen die Bretter. Eine Band, die vielen wohl noch unbekannt ist, nicht aber dem anwesenden Publikum, das sich quasi schlagartig vor der Bühne einfindet. Hier wird BlackMetal geboten, der weder langatmig noch nach 10 Minuten langweilig ist. Besonderheit bei dieser Band ist, dass sich gleich drei Herren gesangstechnisch betätigen: Während sich Sänger Enrico voller Hingabe um den Mikroständer wickelt, um seinen Worten auch irgendwie körperlich Ausdruck zu verleihen, grunzt es ab und zu aus dem Hintergrund, genauer gesagt, aus Richtung Schlagzeug. Einige Passagen werden zudem von Gitarrist Robby übernommen und so entsteht ein recht vielschichtiges Gesamtbild. Die schnellen Knüppelparts werden ab und an von getragenen langsamen Parts abgelöst, die von der Dame an der Violine leben und das Ganze schön abrunden. Das Publikum ist jedenfalls zufrieden und geht gutgelaunt in die Umbaupause.

HARADWAITH aus Leipzig haben sich Startplatz zwei gesichert und erscheinen mit obligatorischer Panda-Kriegsbemalung. Die ersten 10 Minuten macht der BlackMetal dieser jungen Band auch einen ganz guten Eindruck, gleitet dann aber irgendwie in die Eintönigkeit ab: Zu wenig Abwechslung und ein zu kleiner Bewegungsradius aller Beteiligten. Das nagt schnell am Gehörgang und schon sind die ersten Metaller auf dem Weg zum Raucherraum. Richtig schlecht sind HARADWAITH nicht, richtig gut aber auch nicht. Vielleicht muss man sich diese Band einfach öfters anschauen, um das versteckte Potenzial zu entdecken.

In der Umbaupause wird allseits über die nächste Band diskutiert und fast überall hört man das Gleiche: „Gut sind sie nicht so aber halt irgendwie Kult“. Es ist die Rede von DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT, die bereits in den Startlöchern stehen. Das Problem an dieser Band ist für mich ihre nicht vorhandene Kreativität: Das geht bei der ewig gleichen Bühnendeko los und hört bei den recht gleichförmigen Songs auf. Wenn Frontfinsterline Onielar nicht ab und zu einen Songs ansagen würde, würde man denken, es handelt sich 40 Minuten lang um nur einen Song. Auf der anderen Seite kann man sich den Auftritten der Band aber irgendwie nicht entziehen und auch ich starre jedes Mal gebannt auf die Bühne, als ob sämtliche Hirnrezeptoren ihre Arbeit versagt hätten, und schwuppsdiwupps wippen mein Fuß und mein Kopf mit. Ach, es ist ein Kreuz mit dieser Band! Wer jetzt Details zur Musik erwartet, schaut einfach mal bei den letzten Berichten zu DNS rein, es hat sich nämlich nichts verändert. Dem Publikum ist das so ziemlich schnurz, alle feiern ordentlich ab und es gibt sogar noch eine Zugabe für alle, die nie genug von DNS bekommen können.

Die letzte Band des Abends ist NEGURA BUNGET aus Rumänien und mir bisher nur namentlich bekannt. Schon der Aufbau der Instrumente sieht recht abenteuerlich aus: Eilig wird ein Xylophon herbeigeschleppt und aus der anderen Ecke wird ein Klangkörper aus Holz gezaubert; mein Gesicht gleicht einem riesigen Fragezeichen…. Was sich meinen Ohren dann bietet, lässt mich im ersten Moment gähnen. Wie gesagt: Im ersten Moment! Geboten wird eine Mischung aus BlackMetal, Ambient und Folk, die sich nicht immer aalglatt in die Lauscherchen bohrt aber doch ihren Reiz hat. Fronthüne Hupogrammos wirbelt über die Bühne, schreit und grunzt das Publikum an und verschwindet dann in Richtung des ominösen Holzklangkörpers, um dort einen Percussion-Part einzustreuen. Im Hintergrund klöppelt jemand auf besagtem Xylophon und ein Teppich aus Keyboardklängen legt sich über den Saal. Puuhh! Der Sound von Negura Bunget ist so vielschichtig, dass man sich schnell überfordert fühlt und dennoch ganz davon eingenommen wird. Einigen Metaller ist das wohl dann doch zu viel, denn die Reihen lichten sich ganz ordentlich. Nichtsdestotrotz sind die Mannen auf der Bühne zu hundert Prozent bei der Sache und bieten eine ganz große Show, die besonders bei den weiblichen Anwesenden ankommt, denn schon hallen „Ausziehen, Ausziehen“ - Rufe durch den Hellraiser, die eindeutig an Hupogrammos gerichtet sind. NEGURA BUNGET ist eine jener Bands, die eigentlich alleine auf Tour sein sollten, damit man sie als Zuhörer richtig genießen kann, denn für den schnellen Gig sind sie eindeutig zu komplex und haben wahrscheinlich auch viel zu viel zu bieten; mit einmal kurz anschauen ist es hier nicht getan.

Insgesamt gesehen ein recht entspannter Abend, bei dem es eigentlich nichts zu meckern gibt, denn für schlappe 14 Euro hat man jede Menge geboten bekommen! Einziges Manko war, dass die Vorbands, in meinen Augen, irgendwie nicht so recht zum Headliner passen wollten, denn dazu sind die Stile zu unterschiedlich. Sicherlich hätte man daraus auch zwei Konzertabende basteln können, denn Negura Bunget sind offensichtlich in der Lage alleine einen ganzen Abend zu füllen. Aber man kann nicht alles haben und schon gar nicht erwarten.

Altum Atramentum (haben ein Demo, gibt’s bei der Band)
Haradwaith „Creating Hell“ (Demo)
Darkned Nocturn Slaughtercult „Evoking A Decade”
Negura Bunget “OM”


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