Hacride, TesseracT, Unsoul - Halle 5 e.V., Leipzig

erstellt von Germanenhelga am 24.05.09

Es ist ein lauer Vorsommerabend und da wir nichts anderes zu tun haben, machen wir uns auf den Weg in die Halle 5, um mal zu schauen, was uns aller Stewa heute Abend so auf die Bühne zaubern will. Musikalisch gesehen für mich eine ganz neue Erfahrung, denn heute steht weder Death noch BlackMetal auf dem Programm. Aber, man soll ja seinen Horizont stetig erweitern und in diesem Sinne….

Den Abend eröffnen UNSOUL aus Berlin und musikalisch lässt sich diese Band nur sehr schwer zuordnen: Schon irgendwie Metal, mit leichtem Hang zum Doomigen, gekrönt von einer experimentellen Schlagseite, die so abgefahren wirkt, dass man sich regelrecht konzentrieren muss. Keine leichte Kost und meine sonst eher Death und BlackMetal gewöhnten Öhrchen entrollen sich nur zögernd, um der Band eine Chance zu geben. Präsentiert wird das Material von der neuen Scheibe, die sich um eine russische Bergbaustadt, Magnitogorsk, dreht, und auf Platte natürlich sehr viel komplexer daher kommt, als jetzt hier auf der Bühne. Hier hat man eben keinen Kinderchor zur Hand und auch die zweite Gitarre muss vom Keyboarder eingespielt werden. Im Gegensatz zur vielschichtigen Musik kommt Sänger Dennis eher unvielschichtig rüber, denn viel Abwechslung beim Gesang lässt sich nicht erhören; er verharrt in einer Art tiefem Gegrunze, obwohl das Gegrunze eigentlich kein richtiges Gegrunze ist. Aber, die Jungs lassen sich nicht lumpen und packen schnell Sängerin Cindy aus dem Handkoffer, die mit ihrer extrem kraftvollen Stimme, die zuweilen fast ein wenig jazzig anmutet, die nötige Abwechslung ins Geschehen zaubert. Zusammen mit den dezent eingestreuten Frickeleien an der Gitarre ergibt sich dann doch noch eine runde Sache. Das magere Publikum hält aber trotzdem lieber einen Sicherheitsabstand ein, gibt sich eher träge und auch das abschließende Cover von Entombed lässt die Meute nicht gerade ausrasten. UNSOUL sind also nicht für jeden Metaller geeignet, aber wer mal was Außergewöhnliches hören möchte, dem sei die Band wärmstens empfohlen.

Als nächstes entern die Jungs von TESSERACT die Bühne und auch hier muss man sich erst an die dargebotene Musik gewöhnen: Progressiver Metal, der ganz und gar mit cleanem Gesang auskommt, trotzdem aber nicht langweilig wirkt, weil der vorhandene Stimmumfang voll ausgenutzt wird. Der Vorteil von TESSERACT ist, dass die Musik sehr abwechslungsreich ist; sie lebt quasi von vielen Tempiumschwüngen, gewürzt mit jeder Menge Melodie. Ein weiterer Pluspunkt ist Sänger Abisola, der dem Ganzen Leben einhaucht: Bei den schnellen Parts fegt er wie ein Derwisch über die Bühne, bei den eher doomig langsamen, fast depressiv anmutenden, Parts windet er sich wie ein getretener Wurm und als Zuschauer hat man die ganze Zeit das Gefühl, dass man weiß, was er einem sagen möchte. Für mich die beste Band des Abends! Das Publikum empfindet das wohl ähnlich, denn der Sicherheitsabstand zur Bühne hin wird verkleinert und man sieht sogar in der ersten Reihe das ein oder andere Haar fliegen.

Den Abschluss bilden HACRIDE aus Frankreich, die wahrscheinlich denken, sie sind im falschen Film: Am Vortag eben noch vor Tausenden beim Legacy-Fest und heute schon auf der Showbühne der Halle 5 in Leipzig; größer können Gegensätze wohl kaum sein. Geboten wird Metal mit ebenfalls cleanem Gesang, allerdings ist die Schlagseite zum Metalcore kaum zu verkennen und damit bewege ich mich auf einem Terrain, dass mir gar nicht gefällt und für das ich mich auch in keiner Weise erwärmen kann. Das Publikum sieht das anders und geht zum ersten Mal heute Abend so richtig ab, auch wenn sich die mageren Reihen schon ein wenig gelichtet haben. Ich klinke mich an dieser Stelle aus und genieße lieber noch ein Frischgezapftes.

Insgesamt gesehen ein anständig organisierter Abend, der eben mal eine andere Seite des Metals beleuchtet hat und bei den Anwesenden recht gut ankam, auch wenn Publikum, aufgrund des zeitgleich stattfindenden Legacy-Fest, Mangelware war und man sich nicht eben totgetreten hat. Trotzdem: Sehr nett!

Hacride „Lazarus“ (2009)
TesseracT Demo (2007)
Unsoul „Magnetic Mountain“ (2008)


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