Legacy Fest 2009 - Dessau, Flugplatz

erstellt von Berzerker am 23.06.09

10 Jahre Legacy… Was stellt man an um, das wohl bekannteste Szene-Journal gebührlich zu feiern? Na klar - ein Festival muss auf die Beine gestellt werden! Und nicht nur eins der Vielen - nein, etwas Besonderes muss her. Der Legacy schreit in die weite Welt und alles was eine E-Gitarre halten und den Verstärker selbst anschalten kann, antwortet und lässt das Line-Up dieses Jubiläums wirken wie das Who-is-Who der Metal-Szene. Sage und schreibe über 70 Bands werden angekündigt und die komplette Artenvielfalt bedient. Von Rock und Progressive zu Metal- und Hardcore über Black, Death, Pagan und Grind bis hin zu Trash-, Power-, Folk- und Darkmetal - hier ist wirklich für jeden etwas dabei.

Wir schnüren uns also das Zelt auf den Rücken und mischen uns unter die vielen schon am frühen Morgen angetrunkenen Väter - naja, heute dürfen Sie denn es ist ja schließlich “Männertag”. Schnell sind wir dann auch am Flughafen in Dessau angekommen und sehen zum ersten Mal die durchaus coole Location auf dem riesigen Areal. Als “kleine” Bühne (auch als “Stardust-Stage” betitelt) dient ein alter Hangar, der bestimmt gut 1500 bis 2000 Mann fasst. Das Gegenstück bildet die “Legacy-Stage” die mit enormer Größe und Ausstattung aufwarten kann. Die Voraussetzungen für ein gelungenes Festival sind also gegeben. Nachdem wir in Eile das Lager aufgeschlagen haben um dem drohenden Gewitter zuvor zu kommen, wird auch erstmal das erste Hopfengetränk zu Ehren aller Männer und als Festivalstartschuss die Kehle herunter gestürzt. Los geht’s, die Tore stehen offen und das Volk trudelt gemütlich aufs Gelände um erstmal die Lage zu checken und eine Stand-Bestandsaufnahme zu machen.

PERISH SANITY dienen mir dabei nur als Hintergrundmusik und so schaffe ich es zu HELLSAW vor die Bühne um die für mich erste Band des Festivals zu bestaunen. Geboten wird von den Österreichern grundsolider BlackMetal, der mit etlichen Tempovariationen aufwarten kann. Teils groovig, zum mit wippen einladend, teils brachiale Geschwindigkeit - die Abwechslung ist beeindruckend. Die schon zahlreichen Gäste lassen sich auch umgehend mitreißen und unterstützen die Band mit Haarekreisen und lautstarken Schreien. Der Sänger (welcher mit einem “Cold”-Schriftzug überm Po aufwartet - so nämlich der Titel des neuen Albums) und seine Mannen haben dadurch auch reichlich Spaß und bieten mir einen sehr guten Festival-Opener.

Weiter geht’s mit HATRED aus Schweinfurt, welche dem Publikum ein gutes Death-Trash-Brett um die Ohren schmettern. Sehr melodisches und technisch anspruchsvolles Riffing untermalt von einer tragenden Double-Bass machen ein sehr positives Gesamtbild, bei dem mir allerdings auf Dauer die Abwechslung fehlt. Nach einem weiteren Erfrischungsgetränk geht’s dann wieder vor Bühne um den Dänen ILLNATH zu lauschen.

Die Dänen, welche sich im melodisch- keyboardlastigen BlackMetal ansiedeln, erscheinen auch wieder in Ihren unterhaltsamen Outfits, die der Ein oder Andere wohl eher auf dem WGT oder dem Christopher Street Day erwarten würde. Ich finde es jedenfalls musikalisch wie optisch sehr unterhaltsam. Nur stören mich die auswendigen “Zwischen-den-Songs-Ansagen”, welche einfach zu unpassend gewählt scheinen. So kommt der Sänger dann kurz vor halb 4 zum letzten Song für “tonight”. Komisch… Wir pendeln dann sogleich mal rüber in den Hangar um dort die deutsche MetalCore-Band WITHOUT WORDS unter die Lupe zu nehmen. Allerdings reicht mir ein halber Song aus um zu merken, dass ich hier falsch bin und so fliehe ich schnell vor den mir gar nicht ins Ohr gehen wollenden Klängen.

Als nächstes kündigen sich ALESTORM an. Schottischer Piraten-Metal!? Wer kann sich darunter schon etwas vorstellen? Ich nicht! Also, nichts wie hin und dazu lernen. Die Schotten spielen einen sehr rhythmischen Ohrwurmsound, welcher irgendwie ein Mix aus Power-Metal und Fluch der Karibik ist. Der schmetternde Blast Beat und die zahlreichen begeisterten Besucher machen aus dem Gig ein richtig tolles Erlebnis, dass zum Haare schütteln, Rumfässer leeren und schunkeln einlädt. Die gereimten Songankündigungen runden das Ganze ab und so verbuche ich ALESTORM als eine der für mich interessantesten Neuentdeckung des Festivals. Hat Spaß gemacht!

Schluss mit lustigen Piraten-Anekdoten, jetzt wird’s etwas brachialer, denn die Norweger von KEEP OF KALESSIN laden zum Ständchen. Die DoubleBass wird nochmal ordentlich auf “Laut” gestellt und schon kann das musikalische Gewitter losgehen. Das eingespielte Live-Team bringt einen sehr kraftvollen Sound zu Tage und kann mit dem souveränen Gig auch richtig punkten. Während der Drummer beweist, dass er den Stick schön schnell in der Luft drehen kann und der Sänger sehr routiniert seine Register zieht und einen Kracher nach dem anderen ankündigt, entdecke ich im Hintergrund schon den KATAKLYSM Sänger samt Drummer, die sich sichtlich amüsiert über die spielenden Kollegen unterhalten. Dabei gibt’s stilecht noch ein paar Vitamine in Form eines Apfels… Sagt eure Mutti nicht auch immer: “Mensch Junge, iss doch mal nen Apfel!”? Und wie oft wird dann doch ein Bier daraus??? In diesem Sinne: Prost!

Die Nachfolger SABATON höre ich nur vom Zeltplatz aus, lasse mir aber sagen, dass dort grundsolider Power-Metal der Oberklasse geboten werden soll…nun ja, was ich höre bestärkt mich die Pause auszureizen und dann gemütlich nach vorn zu schlendern um mir KATAKLYSM zu Gemüte zu führen.

Irgendwie hat man jetzt schon das Gefühl dem Headliner beizuwohnen, da sich alles was stehen kann vor die Bühne bewegt hat und man sich für einen guten Stehplatz ziemlich robust durchs Volk drängeln muss. Dann stürmen auch schon die leger gekleideten Kanadier auf die Bühne um uns mit einem Klassiker nach dem anderen zu begeistern. So ziemlich jeder KATAKLYSM-Song, der sich irgendwie mitgröhlen lässt, wird dargeboten und von aufpeitschenden Zwischenansagen des Fronters Maurizio untermalt. So fordert er das Publikum auch immer wieder auf etwas brutaler zu sein, was dieses dann auch bereitwillig tut und den größten und brachialsten Pit des Festivals eröffnet. Wenn Maurizio zwischen den Songs seine “Gemeinsam-sind-wir-unbesiegbar-Reden” schwingt sieht man vor lauter ausgestreckten Armen mit zwei-Finger-Krone kaum die Bühne. Die Jungs machen einfach Spaß und bedienen das Publikum mit älteren (As the glorious Weep; Manipulator of Souls; Lament of Fear and Despair) und neuen Stücken (Prevail; Taking the world by Storm; Let them Burn; As I slither…) und natürlich fehlt auch “In Shadows & Dust” nicht, welches einem beim Einsatz des Publikums ne riesige Gänsehaut zufügt. Zusammengefasst: eine so energievolle, mitreißende und an Brutalität und Präsenz kaum zu übertreffende Band kann man auch auf einem so gut besetztem Festival wie diesem nur einmal finden. Dies liegt wohl nicht zuletzt am charismatischen Fronter Maurizio…

Nach diesem Fest der Brutalität fordern wir unsere Hörwerkzeuge auch gleich weiter heraus und bieten ihnen ABORTED. Der Mix aus groovigem sowie schnellem, technischen GrindCore begeistert dann auch nicht nur mich, denn die Bude ist voll und die Fans feiern ordentlich. Der total aufgedrehte Sänger springt wie besessen auf der Bühne herum, sodass man schon ständig Angst hat, er gesellt sich gleich auch zu den Brettern, die die Welt bedeuten. Seine genretypische “Schwein-auf-der-Schlachtbank- Stimme” kann alle Facetten der Band perfekt in Szene setzen und so wird der Gig auch zu keiner Zeit langweilig. Nach KATAKLYSM die perfekte Band um “runter zu kommen”… ;)

Nach einem schnellen Boxenstopp am Zelt geht’s auch schonwieder aufs Gelände um dem Highlight des Tages entgegenzutreten - SATYRICON, die wohl am meisten missverstandene Band des Festivals. Natürlich ist es anfangs wieder extrem voll und die Schaaren begutachten die perfektionistische Ausstattung der Bühne. Jedes Tuch, jeder Kasten, jedes noch so kleine Detail sitzt genau an einem vorgeschriebenem Platz. Kein Zweifel, dass hier Perfektionisten am Werk sind. Doch nachdem den Satyr gefolgt von den Live-Musikern die Bühne entert und Companion Frost hinter seinem überdimensionalen Schlagzeug verschwindet und die Mannen sogleich mit “Commando” vom neuen Album starten, dauert es auch nur noch ca. 2 weitere Songs bis der große SATYRICON-FAN-EXODUS beginnt. Mir völlig unbegreiflich, wandern hunderte Fans ab, abgewandt und scheinbar von ihrer eigenen Erwartungshaltung enttäuscht. Vielleicht ließen sich einige auch von dem szeneuntypischen chicen Outfits und dem an sich stilvollen Erscheinen abschrecken. Anders lässt sich für mich nicht erklären, dass man Satyr aufgrund seiner gestutzten Haare die “Trueness” abspricht - Leute, was ist denn los mit euch??? Aber eine Band wie SATYRICON lässt sich davon natürlich nicht im Geringsten beeindrucken und so ziehen sie ihr Set professionell durch und lassen es klingen, als würde man eine CD laufen lassen. Sogar die zweite Stimme Satyrs (zu hören auf dem neuen Album) wird eingespielt… Es mangelt nirgends und die Band verwöhnt die Fans mit einer optimalen Auswahl aller Werke. So kommen aktuelle Hits wie: “The wolfpack”, “Die by my hand”, “Now Diabolical” und “KING” genauso an die Reihe wie Vergangenes a la: “Fuel for Hatred”, “Repined Bastard Nation” und “Havoc Vulture”. Nach der atmosphärischsten Bühnenshow des Festivals gibt’s dann natürlich noch “Mother North” mit bestem Publikumseinsatz zu hören, bevor die Jungs und das Mädel sich brav wie nach einer Theatervorstellung, Arm in Arm verbeugen. Und so könnte man dies auch zusammenfassen: SATYRICON bietet eine perfektionistische, atmosphärische Show die man sich durchaus auch im Sitzen in einem Amphitheater zu Gemüte ziehen könnte - einfach nur atemberaubend.

Besagter Atem geht uns dann auch aus und so verziehen wir uns gen Zelt. Vorher wird aber nochmal kurz bei SONIC SYNDICATE reingehört. Der Mix aus allen möglichen Neo-Metal-Arten taugt dann aber zu dieser späten Stunde und direkt nach SATYRICON nicht wirklich als Tagesabschluss - bieten die Schweden doch auch eine enorm differenzierte Musik. So ziehen wir uns dann aus dem Hangar zurück und hauen uns aufs Ohr und dem nächsten Tag entgegen zu fiebern.

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