7. Chronical Moshers - Hauptmannsgrün

erstellt von Germanenhelga am 24.06.09

Was gibt es Schöneres, als sich ins Auto zu schwingen und endlich auf das erste Festival des Jahres zu fahren, noch dazu auf so ein extrem Familiäres wie das Chronical Moshers!? Eigentlich nichts, aber schon kurz hinter Altenburg legt uns der liebe Wettergott mehr Steine in den Weg, als mein Nervenkostüm vertragen kann…. Platzregen, Hagel und Gewitter sind bis ins, normalerweise recht schöne, Vogtland unsere Begleiter und ich stopfe mir unkontrolliert ‘ne Tüte Gummibärchen in den Mund, um mich bei Laune zu halten. Reichlich verspätet in Hauptmannsgrün angekommen, beziehen wir bei Dauerregen unsere idyllisch im Heinsdorfergrund liegende Unterkunft und machen uns startklar für den ersten Abend.

Freitag:

FESTERING CUNT sind, aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse unterwegs, für uns schon Geschichte und so freuen wir uns einfach auf die nächsten Bands. Schnell wird klar, dass sich der Zeitplan der Veranstalter bereits in Luft aufgelöst hat und so scharrt sich ein kleiner Haufen Metaller um die Bar. Über den Daumen gepeilt sind etwa 100 Leute anwesend, aber das war beim CMOA ja schon immer so und keinesfalls ein Nachteil!

Da Kali Yuga teilweise noch im Stau stehen, übernehmen die Jungs von GUMO MANIACS das Zepter und mischen das anwesende Publikum gleich mal ordentlich auf. Die Band aus Regensburg bietet ThrashMetal, der teilweise ganz schön Thrash’n'Rollig daherkommt und einfach eine geniale Partylaune verbreitet. Die Songs sind jetzt nicht übermäßig schwierig gestrickt, aber wer will sein Bier schon bei anstrengender Musik schlürfen!? Die Mischung aus thrashigen Elementen, gepaart mit einem stetigen Groove kommt bei der Meute gut an und als das Tempo gesteigert wird, es soll ja keiner einschlafen, rasten die Leute vorne schier aus. Nach 45 Minuten gibt Sänger Daniel freimütig zu, dass man kein Material mehr hätte, da aber Kali Yuga immer noch nicht vollzählig sind, wird kurzerhand improvisiert und die Stimmung im Zelt nähert sich dem Siedepunkt. Ganz großes Kino und eine echt geniale Liveband!

Während der Umbaupause haben sich KALI YUGA vervollständigt und sind nun bereit, das Zelt ordentlich zum Wackeln zu bringen. Mit einer sympathischen Mischung aus schnellem, kompromisslosem DeathMetal und eingestreuten Thrash-Elementen gelingt den Jungs aus Gera dieses Unterfangen auch ansatzlos! Sänger Grützer tobt vorne am Mikro und grunzt sich in Rage, während seine Kollegen ihrer Spielfreude freien Lauf lassen und tempomäßig richtig Gas geben. Die Meute dankt’s mit fliegenden Haaren und angetrunkenem Gegröle! Auch hier: Daumen hoch für die geniale Stimmung, die diese Band verbreitet!

Mittlerweile sind die Außentemperaturen auf gefühlte -5 Grad abgesunken und da verwundert es niemanden, dass sich die Metaller im Zelt stapeln und mit einem Eisgekühlten in der Hand der Dinge harren. Orlog hatten ja ihrem Auftritt abgesagt und so wurden FALL OF SERENITY vom Veranstalter kurzfristig aus ihrem „Vorruhestand” zurückgeholt. Musikalisch wird hier extrem moshbarer DeathMetal geboten, der sich ab und an ein wenig Richtung Metalcore neigt und ohne jegliches Gegrunze auskommt. Trotzdem kommt der groovige, schleppende Stil, gekrönt mit einigen feurigen Schnellpassagen, beim Publikum sehr gut an und auch ich, obwohl ich Metalcore-beeinflusste Musik eher nervig als schön finde, kann mich dieser Band nicht entziehen. Das liegt aber nicht nur am musikalischen Auftreten der Band sondern an der Agilität des Sängers und an der Spielfreude, die jedem der Jungs auf der Bühne aus allen Poren zu kriechen scheint! Diese Band hat Spaß… und alle anderen auch! Ein absolut überzeugender Auftritt, der für den heutigen Abend einen würdigen Abschluss bildet!

Während sich das Publikum gen Zeltplatz trollt und überlegt wie es die Nacht bei dieser Schweinekälte rumbekommt, lassen wir uns erleichtert in die Polster des Shuttle-Busses sinken und begeben uns in die Hände von Zivi Phillip, der uns ganz gemütlich zu unserem Nachtlager bringt; insgeheim hoffe ich natürlich, dass wir 4 halbbetrunkenen Metaller keine bleibenden Schäden bei ihm hinterlassen…. Nachdem noch die 2 Soundtechniker durch das Haus rumort sind, kehrt Ruhe ein und wir schlafen alle wie frisch gewickelte Babys schlagartig ein.

Samstag:

Der nächste Morgen begrüßt uns mit Schafgeblöke, grellem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel; da steigt doch die Laune und das Metallerherz macht einen Sprung, denn Festivals machen bei Sonne eben einfach mal mehr Spaß. Nach einem ausgiebigen Frühstück und endlos vielen Tassen Kaffee, wartet schon wieder „unser” Zivi auf uns und karrt uns gen Festivalgelände. Dort angekommen plautzen wir uns erstmal in die Sonne, während ein paar ganz Hartgesottene in den Teich hüpfen und ein ausgiebiges Bad nehmen.

DOOM OF DESTINY aus Sachsen eröffnen den heutigen Festivaltag und haben quasi gleich zwei „Überraschungen” parat: Erstens sind die Jungs noch sehr jung und zweitens grunzt und röhrt sich am Mikro ein Mädel die Seele aus dem Leib, was aber nur auffällt, wenn man die Band auch sieht; hört man sie nur, könnte man denken, es wäre ein Mann. Musikalisch wird hier DeathMetal mit Schlagseite zum Thrash geboten, wobei die Songs jetzt nicht durch erhöhten Schwierigkeitsgrad auffallen, aber durchaus effektiv sind. Für einen Opener absolut in Ordnung!

Mit CORPORATE PAIN aus Baden Württemberg steht dann zwar wieder eine erfahrenere Band auf den Brettern aber auch das ist leider keine Garantie für ein volles Haus. Vor etwa 15 Leuten zocken die Jungs ihr, stark vom ThrashMetal beeinflusstes, DeathMetal-Repertoire runter, ohne jedoch irgendeine Spur von Begeisterung bei der kläglichen Meute zu hinterlassen. Ein trauriges Bild, das ich mir auch nicht länger anschauen mag und so wandere ich zurück zum Auto, um meinen entgleisten Feuchtigkeitshaushalt im Körper mit etwas Trinkbarem auszugleichen.

Pünktlich zu PIKODEATH erscheinen ein paar mehr Metaller und was sich allen Anwesenden jetzt bietet, könnte man auch ohne weiteres als „krank” bezeichnen. Sänger Martin Zajíc betritt bereits blutbesudelt die Bühne, um von dort seinen Hass in die staunende Menge zu schleudern. Musikalisch gibt es eine Mixtur aus Grindcore und Krach. Die Songs sind einfach, kurz und kaum verständlich und werden wahlweise mit tiefen Growls oder kreischigen Pig-Growls vorgetragen. Gewürzt wird alles mit Unmengen von Blut und einem Fronter, der wie ein Tier über die Bühne kreiselt und dabei allerlei Verrenkungen mit einer Axt vollführt. Hm, was ich davon halten soll, weiß ich auch nicht so genau. Im Grunde finde ich den Einsatz von Blut (gerne auch Echtes, am besten schon 2 Tage abgestanden, oder so) bei anderen Bands zur Untermalung der dargebotenen Musik nicht schlecht, aber hier, bei PIKODEATH fehlt mir einfach der Zusammenhang; also eigentlich überhaupt ein Zusammenhang zwischen dem, was man sieht und dem, was man hört…. Um mir über diese Band ein Urteil bilden zu können, muss ich sie mir bei Gelegenheit wohl noch mal anschauen.

Nach diesem Schocker brauche ich erstmal was Erfrischendes und so gehen COMMANDER und DENY THE URGE quasi spurlos an mir vorbei; irgendwie ist im Moment in-der-Sonne-liegen und was-Kühles-trinken schöner….

Mit DEFLORATION betritt dann schon das erste „Schwergewicht” des Abends die Bretter und auch wenn zu Beginn alles ein wenig behäbig wirkt, kommen die Jungs doch recht schnell noch auf Touren; vor allem verbal! „Uns Uwe” reißt wieder Witze a lá „Ich musste mir mal kurz die Nase putzen, sonst hätte ich gekotzt…” am laufenden Band und bringt die Meute so nicht nur zum Bangen sondern auch zum Schmunzeln. Geboten wird volle Breitseite DeathMetal, der zwar einfach strukturiert ist aber auf jeden Fall bis zum Ende des Gigs Wirkung zeigt und zum Moshen oder dezenterem Mitwippen geradezu einlädt! Die ersten Reihen sind aus dem Häuschen, ein paar Unbelehrbare versuchen sich wiederholt im Stagediving und landen doch irgendwie immer wieder erstaunlich schnell auf dem Boden der Tatsachen; bei der recht locker verteilten Meute kein Wunder. Der Auftritt der Jungs ist auf jeden Fall echt klasse und macht tierisch gute Laune, auch wenn Uwe heute ein wenig zerknittert wirkt. Daumen hoch für soviel Humor! (Ich sag’ nur: „Spongebob”!!)

Bei POSTMORTEM ist die Hütte bereits ordentlich voll und das Gedränge vor der Bühne groß, denn das Volk ist willig, gerade richtig wach geworden und möchte einfach nur Party machen. Mit den Jungs von POSTMORTEM kein Problem. Sofort wird hier losgeknüppelt und die Mischung aus DeathMetal, Metalcore und thrashigen Elementen in die Menge geschleudert. Mal wuchtig treibend, mal groovig oder auch mal mit punkigen Anleihen, aber immer extrem drückend, so kommt die Musik im Auditorium an und lässt die Leute rumzappeln wie ne Horde Fische auf dem Trockenen. Ein Vorteil der Band ist ihre Agilität und Spielfreude; besonders der bewollmützte Fronter zeigt sich heute Abend sehr bewegungsfreudig und fegt wie ein Angestochener über die Bretter, während er mal röhrend, mal schreiend seinen Gefühlen Ausdruck verleiht. Als Liveband empfehlenswert!

DEW-SCENTED sind als nächstes an der Reihe und auch hier ist das Zelt bis auf den letzten Platz gefüllt. Frontmann Leif bedankt sich zunächst artig beim eigenen Drummer, der trotz einer Armverletzung an den Kesseln sitzt. Musikalisch wird hier derber ThrashMetal geboten, der ab und an am DeathMetal ein wenig kratzen darf. Pluspunkt der Band ist ihre Spielfreude und die einfach sympathische Art der Band, welche durch die Lässigkeit von Sänger Leif noch unterstrichen wird. Mit Songs wie „Acts Of Rage”, „Processing Life” und „Turn To Ash” können die Jungs fast alle Anwesenden mitreißen und stimmungsmäßig haben sie den Boden für die kommende Band bestens vorbereitet.

So, da sind sie also: GRAVE DIGGER. Durchschnittliche, leicht ergraute Herrschaften, die hier, auf der Stelle, ein unvergessliches Metal-Feuerwerk zünden wollen. Oder müssen, denn so sehen die Gesichter der Bandmitglieder aus…. Man könnte auch sagen, die Gesichter sehen nach wir-müssen-hier-einen-Job-erledigen aus. Schade eigentlich, denn zumindest bekommen sie eine ordentliche Gage, im Gegensatz zu allen anderen Bands. Da wäre zumindest ein strahlendes Lächeln drin gewesen! Ohne große Umschweife legen die Jungs los und schleudern ihren angegrauten Heavy Metal in die komplett volle Hütte, in der die Leute total ausrasten und sich vor Freude nur schwerlich zügeln können. Geboten wird Metal im alten Stil mit Eier-Kneif-Stimme und eingängigen Melodien, wobei fast kein Album ausgelassen wird. Hitgranaten wie „Liberty or Death”, „Valhalla”, „Pendragon”, „Stormrider”, „Excalibur” oder auch „Rebellion (The Clans Are Marching)” lassen die Masse beben und vor allem Mitgrölen. Auch taut Fronter Chris Boltendahl langsam ein wenig auf und es entwickelt sich eine gewisse Interaktion zwischen ihm und den Fans, sodass schlussendlich ein gelungener Auftritt dabei herumkommt, der für einige Anwesende viel länger als ca. 90 Minuten hätte dauern können. Als ultimative Zugabe gibt’s „Heavy Metal Breakdown” und dann ist der Zauber so schnell vorbei wie er gekommen ist. Genau so schnell wie GRAVE DIGGER dann im Shuttle-Bus verstaut werden, sind auch die meisten Fans vom Gelände verschwunden; zurück bleibt ein kleiner Haufen Metaller mit glückseligem Lächeln im Gesicht und kühlem Bier in der Hand!

Als Fazit kann man festhalten: Das CMOA ist wirklich eines der schönsten und familiärsten Open Airs hier in unserer Gegend, das zudem, durch die malerische Umgebung bedingt, ein gewisses Urlaubsfeeling verbreitet. Die Organisation war wie jedes Jahr sehr gut! Die Bandauswahl war vielleicht ein bisschen zu homogen, ich hätte mir schon das eine oder andere BlackMetal-Einsprengsel gewünscht, aber ich weiß: Man kann nicht alles haben. Die Eintrittspreise und die Preise an der Theke waren wieder absolut angemessen und selbst für den kleinsten Geldbeutel geeignet. Macht weiter so!

Besonderer Dank geht in diesem Jahr an:

Den freundlichen Chef vom Grillstand, der so schnell und unkompliziert des Nächtens die Transportmöglichkeit für uns organisiert hat!

Zivi Philipp, der uns 4 Metaller plus die 2 Tontechniker hin- und hergefahren hat; und zwar unentgeltlich!

Alle Clubmitglieder, bei denen man sich einfach wie ä bissl zuhause fühlt!


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