W.A.S.P., The Bulletmonks - Hellraiser, Leipzig

erstellt von Germanenhelga am 24.10.09

Seit einer Woche nasskaltes, verregnetes Wetter und die Laune bereits im Keller. In dieser negativen Verfassung lasse ich mich sogar dazu überreden, in den Hellraiser zu fahren, um mir W.A.S.P. anzuschauen, die schon seit Dekaden aktiv sind, jedoch noch nie den Weg in meine Musiksammlung gefunden haben. Ein Blick auf die Seite der Herren verrät mir die Devise des Abends: Horizonterweiterung in punkto Glam/HairsprayMetal der 80er Jahre. Also, Leo-Spandex an, Klappsband und Tonnen von Haarspray ins Haar, Kutte drüber geworfen und rein in die weißen Turnschuhe!
Bei unserem Eintreffen scharrt sich bereits ein kleines versprengtes Häufchen Metaller aller Altersklassen vor dem Club, manche sogar wirklich in der eben beschriebenen Aufmachung, und nachdem wir uns frierend noch eine halbe Stunde die Beine in den Bauch gestanden haben, wird uns endlich Einlass gewährt.

Zunächst haben THE BULLETMONKS die undankbare Aufgabe die Meute ordentlich anzuheizen. Undankbar deswegen, weil sie eigentlich keiner sehen will. Aber, die Jungs aus Nürnberg geben sich alle erdenkliche Mühe und schaffen es, mit ihrem rotzigen Rock’n'Roll wenigstens einige Metaller aus der Reserve zu locken. Im Grunde kann man ihnen ja nichts Schlechtes vorwerfen, wer vor so einer großen Band wie W.A.S.P. spielt, hat es nun mal schwerer. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Mischung aus Hellacopters und Motörhead sehr sympathisch daherkommt und im Nu sind die geplanten 40 Minuten vorbei. Als Opener vollkommen ok.

Es folgt eine monströsen Umbaupause, in der sich die Metaller langsam dicht gedrängt vor der Bühne sammeln, in hinteren Bereich geht es etwas lockerer zu. Die ersten „W.A.S.P., W.A.S.P.”-Rufe hallen durchs Auditorium und die Meute scharrt ungeduldig mit den Füßen. Die auf der Bühne installierten Leinwände flammen auf (präsentiert werden vorwiegend alte Musikvideos und Amerika-kritische Filmchen) und schon schlüpft Drummer Mike unter großem Jubel an sein Arbeitsgerät. Es folgt der Rest der Band und dann geht es quasi ansatzlos in die Vollen. Schon beim ersten Song fühlt man sich irgendwie in die eigene Vergangenheit versetzt, als man noch aufgestylt in die Rockdisko ging und zu Bands wie Kiss abgehottet hat. Das Songmaterial von W.A.S.P. zeichnet sich nicht durch erhöhten Schwierigkeitsgrad aus sondern durch seine Bekanntheit und Leichtigkeit es mitzugrölen. Die Meute um mich rum macht davon auch regen Gebrauch und schon nach dem dritten Song gleicht der Hellraiser einer riesigen Partymeile: Es wird gesungen (meist etwas schief), gegrölt, gemosht und getanzt; sogar die älteren Semester lassen mal so richtig das bereits spärlich gewordene Haar fliegen oder schunkeln sich ein wenig mit der eigenen Frau durchs Geschehen. Mit Hitgranaten wie „The Idol”, „Chainsaw Charlie (Murders In The New Morgue)”, „Babylon’s Burning” oder auch „L.O.V.E. Machine” treffen die Jungs um Blackie Lawless voll ins Schwarze und bereiten den Anwesenden damit einen unvergesslichen Abend. Nach über einer Stunde scheint der Zauber schon vorbei, doch nach ein wenig Bettelei gibt’s als Zugabe „I Wanna Be Somebody”, quasi den Oberknüller schlechthin!, bevor die Band in den Katakomben verschwindet. Zurück bleibt ein strahlendes, glückliches und halb taubes (der Sound war ohrenscheinlich für ein Stadion ausgelegt!) Publikum.

Als Fazit bleibt: Ich hätte es ja nicht gedacht aber diese Band ist in der Lage, Metaller aller Altersstufen zu mobilisieren und ein absolutes Konzerthighlight auf die Bühne zu zaubern, von dem man noch Wochen zehrt! Da W.A.S.P. nun schon seit 1981 durch die Musikwelt geistern ist es mir persönlich fast ein wenig peinlich, keine Platte von ihnen zu haben und wie ein Drops auf dem Konzert zu stehen, ohne in der Lage zu sein auch nur einen Song mitsingen zu können…. Falls ihr jemals die Gelegenheit bekommt, auf ein W.A.S.P.-Konzert gehen zu können, dann macht es, ihr werdet nicht enttäuscht! Diese Band ist Pflicht, genau wie Kiss oder Manowar, auch wenn man sich anfangs am liebsten ein wenig dagegen sträuben würde.
Wer also seinen Geist in Richtung Glam/HairsprayMetal öffnen möchte, dem sei die aktuelle Scheibe „Babylon” wärmstens ans Herz gelegt.

The Bulletmonks “Weapons Of Mass Destruction” (2009)
W.A.S.P. “Babylon” (2009)


Comments are closed.