8. Chronical Moshers - Hauptmannsgrün

erstellt von Germanenhelga am 02.07.10

Es ist Juni und damit wieder einmal Zeit für einen Kurzurlaub im Vogtland bei den Moshers. Bei strahlend schönem Wetter machen wir uns also auf den Weg, beziehen im idyllischen Heinsdorfergrund Quartier und werden freundlicherweise von einem jungen Herrn gen Festivalgelände gekutscht. Dort angekommen, genehmigen wir uns ein Frischgezapftes und harren der Dinge.

Leider kommen dann sehr viele Dinge zusammen, sodass wir von den Bands nicht allzuviel mitbekommen. Für den Freitag lässt sich insgesamt aber sagen:
Alle Bands haben sich wacker geschlagen, zudem für die draußen stattfindenden Gespräche eine schöne Hintergrundmusik abgeliefert und allesamt haben sie zu wenig Publikum, denn auch auf dem Moshers reißt die neue Sitte ein, dass das Publikum größtenteils nur noch am Samstag erscheint oder eben, wie wir, draußen mit Bekannten die neusten Neuigkeiten austauscht. Trotzdem war das Partyzelt bereits bei Furnaze recht anständig gefüllt und beim Headliner Big Ball ging zumindest in den ersten 5 Reihen die Post ab; die Jungs haben der Meute zum Freitagabend ein echtes Schmankerl geliefert!        Warhammer

Der Samstag beginnt für uns mit WARHAMMER aus Deutschland, die sich selbst als Death Metaller empfinden, für meinen Geschmack aber eher sehr thrash’n'rollig daherkommen und ordentlich Gas geben! Die Hütte ist dementsprechend voll, in den ersten Reihen kreist die eine oder andere Matte im Takt, und das vorhandene Publikum zeigt sich schwer angetan von den Jungs, denn die Musik ist geradezu zackig und geht quasi direkt in die Beine über. Für mich eine der besten Bands des Festivals!

Milking The Gotamachine

Mit MILKING THE GOATMACHINE gibt es dann einen echten 5-Uhr-Tee-Knaller! Der Ziegenverein aus dem Westen der Republik entfacht hier auf der kleinen Bühne ein wahres Grind-Gewitter und tritt den Anwesenden mal mächtig in den Arsch. Gekonnt werden schnelle, geholzte Passagen mit absolut fetten Grooves gemischt und mit einer Prise Death versehen. Der Knüller ist eigentlich Schlagzeuger Goatleeb (ja, für witzige Namen haben die Jungs was übrig), der nicht nur an seinem Gerät rotiert sondern auch die Vocals beisteuert. Für mich die beste Band des Abends und absolut empfehlenswert!

Milking The Goatmachine

Als nächstes stehen ANDRAS in den Startlöchern und diese Band habe ich ja nun nicht gerade in bester Erinnerung, aber an diesem Abend setzen sie sich die Krone selbst auf: Was auch immer diese Band macht, sie hat definitiv ein Definitionsproblem! Eine Band, die bemüht ist, alle möglichen Spielarten des schweren Metals mit einem Set zu bedienen, ist für den geneigten Hörer zwar nicht langweilig, kann aber auch nicht wirklich als gut empfunden werden. Mal schwanken die Jungs zwischen Pagan und Black, mal zwischen Death und Deathcore und im Endeffekt wissen sie wahrscheinlich nur selbst, was sie eigentlich machen wollen. Mir bleibt der sprichwörtliche rote Faden heute jedenfalls verborgen; richtig schlimm finde ich das aber nicht.

Was ich dagegen richtig schlimm finde, und das auch immer wieder, man bekommt diese Band ja überall unfreiwillig aufgedrückt, sind GORILLA MONSOON: Außer bereits zum X-ten Mal gehörten dummen Sprüchen nix gewesen. Doch, da war noch was: Ohrenbluten!

PandemiaDa Cliteater kurzfristig ausfallen, übernehmen die Jungs von PANDEMIA das Zepter und endlich kommt mal Bewegung in die Sache. Die Jungs aus Tschechien gehen ansatzlos in die Vollen und können ein doch recht ansehnliches Häufchen Metaller in Rotation versetzen. Geboten wird wuchtiger, bodenständiger Death Metal, der den einen oder anderen interessanten Melodiebogen aufweist und meistens extrem drückend und groovig, aber nie langweilig, daherkommt. Absolut empfehlenswerte Liveband!

Da, wo Pandemia aufgehört haben, machen FLESHCRAWL einfach mal weiter: Auch hier wabert bleischwerer Death Metal durch die Boxen, der allerdings etwas oldschooliger ist als bei den Vorgängern. Der Vorteil von FLESHCRAWL ist, dass sie schon sehr lange im Geschäft sind und einfach wissen, wie sie eine träge Meute in Bewegung versetzen. Ihre eigene Spielfreude und Bühnenperformance, inklusive Megarumposen, ist dermaßen ansteckend, dass hier im Zelt niemand mehr stillsteht; man könnte auch sagen, dass im Zelt endlich Partystimmung ausgebrochen ist. Ein absolut überzeugender Auftritt, wie ich es von den Jungs nicht anders erwartet habe, daran kratzen auch die kleinen Abstimmungsproblemchen bezüglich der zu spielenden Songs nicht.

Nachdem Fleshcrawl das Feld gebührend für DISBELIEF geebnet haben, erreicht die Stimmung ihren Siedepunkt! Das Zelt ist bis zum allerletzten Platz ausgefüllt und die Meute willig. Die Jungs bieten heute Abend einen ansprechenden Streifzug durch ihre älteren Platten, präsentieren aber auch ganz neues Material, welches beim Publikum richtig gut ankommt. Ich gehöre ja eher zu den Menschen, die sich Disbelief nie ins Plattenregal stellen würden, aber ich muss dennoch unumwunden zugeben, dass die Jungs live einfach eine Macht sind und die Meute spielend um den Finger wickeln können. Ein sehr überzeugender Auftritt, der dann doch ein wenig neugierig aufs neue Material macht.

Mit der letzten Band des Abends, SCAR SYMMETRY, sind wir dann scheinbar auch so irgendwie am Ende angekommen: Das Zelt ist bei dem vermeintlichen Headliner nicht mal zu einem Viertel gefüllt und man könnte sich für diese Band glatt fremdschämen. Die Jungs aus Schweden bieten Progessive Metal der übelsten Sorte, der zudem eine starke Schlagseite Richtung Deathcore aufweist, und als ob das nicht schon genug Pein wäre, gibt’s das Ganze teilweise sogar 4-stimmig auf die Lauscherchen. Da hilft kein Ohrenanklappen mehr, da hilft nur noch Flucht. Dies ist im Übrigen der Beweis dafür, dass weder das Label noch künstlich erzeugter Hype als Qualitätsmerkmal für eine Band anzusehen ist!

Fazit: Im Großen und Ganzen kann ich an diesem Festival einfach nicht rummeckern, dafür ist es viel zu cool! Das Preis-Leistungs-Verhältnis war wie immer perfekt, ebenso das ganze Drumherum und der Sound war dieses Jahr geradezu bombastisch. Einziges Manko, für mich ganz persönlich!, war heuer die etwas sperrige Bandauswahl und, eine Tatsache, die ich nicht mal ansatzweise einleuchtend finde, dass Scar Symmetry als Headliner fungierten, denn die wollte ja wohl offensichtlich niemand sehen. Ansonsten war der Wohlfühlfaktor wie jedes Jahr extrem hoch und ich kann nur sagen, dass ich immer wieder gerne zu den Moshers ins Vogtland fahre.

Fotos: Lobedana (Vielen Dank dafür!).


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