Sabaton, Alestorm, Thaurorod - Hellraiser, Leipzig

erstellt von Germanenhelga am 04.10.10

Der Weltkrieg startet Donnerstag - zumindest hier in Leipzig, wo sich heute Abend nicht nur SABATON durch den Schützengraben schlagen werden, sondern auch THAUROROD und die schottischen Kielmörser von ALESTORM. Soweit zum militärischen Slang, der sich bei den Schweden immer wieder anbietet, allerdings keine Antwort auf die Frage bietet, wer oder was ein Sabaton denn nun eigentlich ist. Wahrscheinlich etwas Großes, Lautes, irgendwie Kriegerisches…

…wovon THAUROROD, die finnischen Opener des Abends, jedoch noch ein paar Fußbreit entfernt sind. So sehr die hochmelodische Kreuzung aus Sonata Arctica und Dragonforce auf Plastik zu gefallen weiß, so zwiespältig ist der leibhaftige Eindruck am heutigen Abend: Angetan mit neonfarbenen Gitarren und motiviert bis in die Haarspitzen gniedeln sich die Instrumentalisten durch einen zuckersüßen Speedbatzen nach dem anderen und versuchen so, die unterirdische Abmischung vergessen zu machen. Der Erfolg indes ist marginal: Vom exzessiv bedienten Keyboard ist während der gut 40 Minuten so gut wie nichts zu vernehmen, das Schlagzeug verleiht dem Begriff „Luftdruck“ eine neue Bedeutung, und der Klang im Überblick wirkt eher auf extremen Metal zugeschnitten, als auf sinfonisches Finnenfilet. Zu allem Überfluss ist Sänger Markku auch in seinen besten Passagen hörbar von der auf CD veröffentlichten Qualität entfernt, was man je nach Gusto der Unerfahrenheit auf der Bühne oder der modernen Studiotechnik in die Schuhe schieben darf. Sagen wir so: Hammerfall’s Joakim Cans ist im Vergleich dazu das personifizierte Stimmvolumen.
Dass es dennoch recht kurzweilig bleibt, verdankt man unkaputtbaren Songs wie „Warriors Heart“ oder „Shadows And Rain“, die live trotz aller Widrigkeiten glänzen können und THAUROROD dann doch zu einem durchaus gefälligen Opener machen.

Deutlich leichter haben es im Anschluss ALESTORM, deren Tavern Metal auch publikumsseitig weniger reserviert angenommen wird. Die Schotten beschränken sich auf songdienliche Hauruck-Riffs, ein enorm cooles Keyboard zum Umhängen, und sie bieten vor allem im Gesangsbereich genau das Quäntchen Melodie, das selbst im angeschlagenen Zustand noch machbar erscheint. Dem entsprechend flachst man sich bei mittlerweile ordentlichem Sound durch einen kurzweiligen Set, erzählt ein wenig von zuhause, lässt hier und da die letzten Auftritte auf der Heidenfest-Tour Revue passieren, und heizt ansonsten mit leichtfüßigen Kaperfahrten des Kalibers „Wenches & Mead“, „Captain Morgan’s Revenge“ oder „Pirate Song“ die Bude auf.
Hier, wie auch schon bei Thaurorod, fällt auf, dass die Bands in Sachen Bühnenpräsenz eher auf Sparflamme agieren: Die Kräfte werden offensichtlich für die Monstertour geschont und man beschränkt sich auf partielle Animation des Publikums. Das ist nachvollziehbar und funktioniert über weite Strecken auch ganz annehmbar – manchmal allerdings wünscht man sich dann doch das metaphorische Weiße im Auge, welches großartige Konzerte von guten unterscheidet. Nichtsdestotrotz ein gelungener Auftritt der Familienbande…

…der nach der Umbaupause von einer allmighty „Ghost Division“ ohne Anlauf in Grund und Boden gepanzert wird. SABATON lassen vom Start weg keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass ihr moderner Power Metal mit erhöhtem Eurovisionsfaktor genau der Stoff ist, für den Livekonzerte einst erfunden wurden. Und angesichts der energiegeladenen Performance der Schweden, die sich immer wieder wie Bolle über ihre erste Headlinertour freuen, hätte man sogar auf die Lichtsäulen im Hintergrund verzichten können, die wahrscheinlich einfach nur über waren, nachdem In Flames auf LEDs umgesattelt haben.
Davon abgesehen ist im technischen Bereich alles top: Die Gitarren braten, das Schlagzeug klingt angenehm voluminös, und die Keyboardakzente durchschneiden – das wollte ich immer schon mal schreiben – Leipzigs Himmel wie ein hundertfach gefaltetes Ninjaschwert. Sozusagen „heavy metal carpet bombing“ vom Feinsten, womit wir dann auch bei einer interessanten Beobachtung wären: Als Zuschauer wird einem der unglaubliche Charme dieser Truppe erst so richtig bewusst, wenn man die lyrisch nicht gerade krabbelgruppentauglichen Refrains von „Uprising“ oder „The Final Solution“ befreit in Richtung Bühne schleudert, weil der Cocktail aus historischen Hintergründen und Metalphrasen trotz respektvoller Behandlung der Themen ein unglaubliches Maß an Pathos und schillernder Eingängigkeit transportiert. Ob „Cliffs Of Gallipoli“, „Screaming Eagles“ oder „Wolfpack“ - SABATON verpacken ernste Themen in fistraisende Hymnen der Extraklasse, was den Leipzigern am heutigen Abend derart gut reinläuft, dass die ohne Pause abgefeierte Band erst nach dem zweiten Zugabeblock von den Brettern darf. Denn eins ist ja wohl klar: Ohne „Primo Victoria“ und „Coat Of Arms“ kommt hier keiner lebend raus. Ein astreines Konzert, eine grundsympathische Truppe, und damit eine absolute Empfehlung!

Bericht: rs. (Vielen Dank!)


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